Disclaimer:    Star Trek Voyager und seine Charaktere gehören Paramount und Pocket Books.

                    Einstieg für diese Geschichte (schräg gedruckt): Transcript zur Episode „Shattered“

Indianische Legende: Velma Wallis, „Zwei alte Frauen - Eine Legende von Verrat und Tapferkeit“, Piper-Verlag München

                    Screenshots: ST Voyager Episode Shattered, Trailer Season 4, Inside Voyager Part 1

Fakes: Camryn, Gates Hepburn

Idee und Story: Kathryn J (= KathrynJonVoy)

Rating: nur für erwachsene Leser (NC17,  MA18+,  P18)

Genre: Romanze

Beta Reading: Kisara22 – Danke, danke, danke für Deine Mühe!

Mehr von Kathryn J (=KathrynJonVoy) incl. illustrierter Versionen:  http://www.newearth-jcparadise.de

Zusammenfassung: Fortsetzung zur  Episode Shattered (http://www.chakoteya.net/Voyager/episode_listing.htm):

Janeway und Chakotay wird bewusst, wie nahe sie sich stehen durch die vielen gemeinsamen Erlebnisse und wie kostbar die    Zeit ist, die ihnen vielleicht nur noch bleibt. …keine Gefahren, keine Verletzten…einfach ruhige Tage auf der Voyager mit Zeit, zu sich selbst zu finden.

 

Kathryn J.

Temporal Prime Directive

 

From the transcript of the episode “Shattered”

[Bridge]

JANEWAY: What is it?
KIM: I don't know. Main power's being re-routed to the deflector dish.
JANEWAY: Who gave that order? (energy blast) Damage?
KIM: The deflector's been burned out, but we're okay.

JANEWAY: Do you mind telling me why B'Elanna burned out the deflector dish?
CHAKOTAY: Actually, I ordered her to do it.
JANEWAY: Why?
CHAKOTAY: Trust me. it was better than the alternative.
JANEWAY: Which was what, exactly?
CHAKOTAY: I can't tell you.
JANEWAY: Why Not?
CHAKOTAY: The Temporal Prime Directive. B'Elanna's already got a team working on repairs. What do you say we finish our dinner?

 

[Janeway's quarters]

JANEWAY: Forget particle fountains and subspace inversions, there isn't an anomaly scarier than a thunderstorm on the plains, especially when you're six years old. I remember watching a bolt of lightning split an oak tree in my grandfather's yard. I climbed it just a few hours before.
CHAKOTAY: Good timing.
JANEWAY: So what would've happened if you hadn't turned our deflector dish into a lightning rod?
CHAKOTAY: We've been down this road before.
JANEWAY: Have we?
CHAKOTAY: You wanting answers to questions you shouldn't ask.
JANEWAY: But something did happen, outside the normal space-time continuum. It's strange thinking there's a piece of your life you don't know anything about.
CHAKOTAY: Sounds a lot like the future.
JANEWAY: Any predictions?
CHAKOTAY: Only that in a few minutes this bottle will be empty.
JANEWAY: Then maybe you should go to the Cargo Bay and grab another one.
CHAKOTAY: How do you know that's where I keep it?
JANEWAY: Oh, I can't tell you.
CHAKOTAY: Why not?
JANEWAY: Temporal Prime Directive.

Sie lachten und tranken noch ein Glas Cider. Janeway lehnte sich zurück und grinste Chakotay herausfordernd an. „Ich befürchte zu wissen, was in deinem Kopf vor sich geht“, sagte Chakotay, und die Grübchen vertieften sich in seinen Wangen. „Bist du zwischenzeitlich auch noch zum Telepathen geworden?“ „Dafür brauche ich kein Telepath zu sein, weil ich dich mittlerweile nur zu gut kenne. Du willst einen Deal machen.“ „So?“  Chakotays Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Du hoffst, ich erzähle dir, was außerhalb des Zeitkontinuums geschehen ist und dafür willst du mir verraten, woher du von dem Cider im Frachtraum weißt.“ „Und was sagst du zu dem Deal?“ Sie zog ihr Lächeln schief und hob dazu eine Augenbraue. „In der Tat, sehr verlockend.“ Sie lachten wieder. Chakotay schenkte den letzten Rest Cider aus der Flasche in ihre Gläser. Sie stießen an, nippten daran und musterten sich erneut über die Glasränderhinweg wie zwei Gladiatoren, jeder seine Taktik abwägend. Chakotay verglich vor seinem inneren Auge die Kathryn Janeway, der er unlängst in der Anomalie begegnet war mit der, die jetzt vor ihm saß.

Ihr Gesicht war strenger geworden. Ein ursprünglicher Rest jugendlichen Ungestüms war aus ihren Augen verschwunden. Aber der neugierig- fordernde Blick der unbeschreiblich blauen Augen war derselbe geblieben. Diese Augen! Auch die jüngere Kathryn hatte ihn sofort damit in ihren Bann gezogen. Aber auch ihrerseits schien bei ihrer Begegnung gleich ein Funken übergesprungen zu sein. Spirits, wie damals, als er das erste Mal auf der Brücke der Voyager stand!

 

Ein Lächeln überflog kurz sein Gesicht. Und genau die gleiche Hartnäckigkeit! Feine Linien hatten sich inzwischen um Augen und Mund eingegraben als Zeugen der schweren Last, die auf ihren Schultern ruhte, die sie sich allein auf ihre Schultern geladen hatte, verbesserte er sich in Gedanken. …und durch die Verluste, die sie entlang ihres Weges erleiden musste. Er bewunderte sie, mit wie viel Mut und Geschick sie diese einstmals so heterogene Crew anführte.

Ihr phantastisches langes Haar hatte sie inzwischen abgeschnitten. Er bedauerte das sehr, hatte aber nie von ihr den wahren Grund dafür erfahren. Chakotay fühlte unwillkürlich, wie er diese rotgoldenen seidigen Strähnen einst hatte durch seine Finger gleiten lassen. Er hielt unbewusst die Luft an, als er diesen Moment noch einmal in sein Gedächtnis rief. Ihre Wärme unter seinen Händen… Ganz langsam war sie aufgestanden und hatte sich zögernd und mit großen Augen zu ihm umgewandt. Es hätte nur eines winzigen Schrittes nach vorn von ihm bedurft, um sie zu küssen. Hatte sie darauf gehofft? Dann die Tränen in ihren Augen, als er ihr seine Legende vom ruhelosen Krieger erzählt hatte. Ihre vereinten Hände. Eine heiße Woge schoss durch ihn hindurch, als er an diesen Abend dachte. Er hatte die größte Chance seines Lebens verschenkt, hatte die Frau, die er liebte, nicht einfach in seinen Arm genommen. Schlimmer noch. Er hatte sie gehen lassen. Und sie hatte sich dann immer mehr vor ihm zurückgezogen. Nur noch selten hatten sie so unbeschwert beieinander gesessen wie heute. Es war das erste Mal überhaupt seit der verdammten Maquis - Rebellion vor einigen Wochen, die er diesem Teero zu verdanken hatte. Er hatte, nachdem Tuvok diesen Alptraum beenden konnte, nicht einmal ein Wort des Bedauerns ihr gegenüber geäußert. Vor seinem inneren Auge sah er noch ihre schreckgeweiteten Augen, als er Tuvok aufforderte, sie zu erschießen. Er fühlte, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich, als er das realisierte.

„Chakotay?“ Kathryn legte eine Hand auf seinen Arm und sah ihm besorgt in die Augen. „Ist etwas nicht in Ordnung?“ Er brauchte eine Sekunde, um wieder ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Hatte er etwas laut gesagt von seinen Gedanken? Hatte sie etwas gesagt? „Entschuldige, ich war nur… in Gedanken…“, entgegnete er. „Erste Temporale Direktive?“ „Ja… das heißt nein… Nur zum Teil.“ „Was ist nun mit dem Cider, der in meinem Frachtraum die Zeiten überdauert hat? Holst du noch eine Flasche für uns?“ „Du wirst einen Schwips bekommen, Kathryn. Das ist kein Synthohol.“ „Ich denke, was Du mir noch gleich erzählen wirst, werde ich vermutlich so besser verkraften!“ „Du bist unverbesserlich…“ Chakotay seufzte und erhob sich.

 

Auf dem Weg zum Frachtraum dachte Chakotay über ihren Deal nach. Eigentlich fand er es selbst verlockend, Kathryn von seinen Erlebnissen in der temporalen Anomalie zu erzählen. Er schmunzelte, als er an die zwischen Neugier, Verwirrung und ungläubigem Staunen wechselnden Gesichter der jüngeren Kathryn dachte, als sie auf die verschiedenen Zeitlinien trafen. Das würde er ihr zu gern erzählen! Obwohl ihr Verhältnis zwischenzeitlich merklich abgekühlt war, hatten sie nie offensichtliche Geheimnisse voreinander gehabt. Obendrein betrafen die allermeisten seiner Erlebnisse die bereits gemeinsam durchlebte Vergangenheit. Nur die Begegnung mit Naomi und Icheb fand zu einem späten zukünftigen Zeitpunkt statt, und der hatte in seiner Diffusität kaum Relevanz für ihre zukünftigen Entscheidungen.

 

Als er zurück kam, öffnete sich die Tür zu Kathryns Quartier, bevor er den Türmelder betätigen konnte. Kathryn hatte seine Schritte schon auf dem Flur gehört. Sie hatte die Reste vom Dinner recycled, ihre Gläser und die Kerze auf den Couchtisch hinüber gestellt.

Sie saß auf dem Sofa und hatte den Kopf auf einen Arm gestützt, der auf der Rückenlehne auflag und sah den vorbeiziehenden Sternen vor dem Fenster zu.

Sie setzte sich auf und wandte sich ihm zu, als er sich zu ihr auf die Couch setzte. „Nun, Chakotay, wie stehst Du zu unserem Deal?“, fragte sie gespannt, während er die Flasche entkorkte und die Gläser füllte.

Chakotay legte seinen Arm bequem auf die Rückenlehne und begann zu erzählen, wie alles anfing und wie er wenig später plötzlich auf der Brücke der Voyager stand, die kurz vor ihrem Flug in die Badlands war. „Ich hatte dich unvorsichtigerweise mit deinem Vornamen angesprochen, und du wolltest mich dafür sofort in die Arrestzelle sperren.“ Chakotays Grinsen ließ seine Grübchen erscheinen. Kathryn kicherte: „Meinst du nicht, dass das schon Grund genug dafür war?“ „Ich konnte dich nur halbwegs unter Preisgabe sehr privater Informationen über dich davon überzeugen, dass ich aus deiner Zukunft kam und wir dort befreundet sind.“ Chakotay zählte sein Beweismaterial auf. Kathryn spürte, wie Tränen der Rührung in ihre Augen stiegen. „Das alles hast du dir gemerkt? Wann habe ich dir das bloß alles erzählt?“ Er sah ihr direkt in die Augen und hielt ihren Blick fest. „Du hast mir immer sehr viel bedeutet, Kathryn. Ich habe mir jede Einzelheit gemerkt von dem, was du mir jemals erzählt hast, und was wir zusammen erlebt haben.“ Janeway lief ein Kribbeln die Wirbelsäule hinunter. „Wirklich?“, entgegnete sie leise mit dunkler rauer Stimme.

„Aber letztendlich wolltest du mir doch nicht ganz glauben. Ich musste dich entführen und dir eine Chronotronpartikel - Infusion verpassen, damit auch du genauso wie ich in allen Zeitlinien existent bliebst, und wir gemeinsam versuchen konnten, das richtige Zeitkontinuum wiederherzustellen. Allein hätte ich es nie geschafft. Wir mussten an diversen Stellen des Schiffes, die aber alle unterschiedlichen Zeitebenen entsprachen, die bioneuralen Gelpacks ebenso impfen, bevor ich dann durch einen Warp-Impuls das gesamte Schiff wieder in die richtige Zeit zurückbringen konnte.  Danach musste ich die Hauptdeflektorschüssel als eine Art Blitzableiter verwenden, um damit die Chronotron- und Neutrinoemissionen der vor uns aufgetauchten Anomalie zu absorbieren und so das Schiff vor einem erneuten Zerfall in verschiedene Zeitebenen zu bewahren.“ „Sehr interessant, schade dass ich mich nicht daran erinnere…“

„Du hättest dein Gesicht sehen sollen, als wir auf dem Holodeck die Gelpacks impfen wollten und dich erstmal Toms Doktor Chaotica gefangen nahm! Du musstest als Königin Arachnia eine Weile mitspielen, bis er uns an die Steuerkonsole ließ!“ Janeway griff sich stöhnend an die Stirn und lies sich zurücksinken. „Erinnere mich nicht an Doktor Chaotica!“ „Du hast Dich gewundert, womit dein Pilot seine Freizeit verbringt. Ach ja, ich sollte dich in der richtigen Zeitlinie daran erinnern, seine Holodeckprivilegien zu streichen!“ Janeway schüttelte amüsiert den Kopf. „Dass Tom Paris so ein Unikum ist, wer hätte das von uns damals gedacht! Aber was haben wir ihm für schöne Stunden zu verdanken! Er hat so oft die Stimmung auf dem Schiff gerettet. Er müsste eher noch mehr Privilegien bekommen!“  „Und du hättest auch dein Gesicht sehen sollen, als der Maschinenraum vor Kazon wimmelte, die das Schiff übernommen hatten, und eine Borgdrohne dir zur Hilfe kam, als Seska dich umbringen wollte! … als du gesehen hast, dass Frachtraum 2 voller Borg-Alkoven war… davon, dass eine wütende B’Elanna Torres deine Chefingenieurin werden sollte, einmal ganz zu schweigen.“ Chakotay schilderte die Situationen so bildhaft, dass Janeway vor Lachen kaum Luft bekam. Es war ein gutes Gefühl, dass das alles Vergangenheit war.

„Ich konnte mir B’Elanna wirklich auch noch nicht als Sternenflottenoffizier vorstellen, selbst nachdem ich sie dazu gemacht hatte“, gab Kathryn zu. „Aber du hast mich wirklich immer ehrlich und gut beraten und auch bei Meinungsverschiedenheiten immer zu mir gestanden.“, fügte sie ernst geworden hinzu. Sie legte sanft eine Hand auf Chakotays Knie. „Dafür habe ich dir noch nie gedankt.“ „Das brauchst du nicht, Kathryn. Das war immer schon mein innerstes Bedürfnis – seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe…“ Er kämpfte darum, seinen Atem trotz ihrer Berührung ruhig zu halten, während er seinen Arm streckte, der auf der Sofarückenlehne lag und seine Finger vorsichtig durch ihr Haar glitten. Janeway schloss für eine Sekunde die Augen und lehnte den Kopf an seine Hand.

„Wann haben wir uns denn nun kennen gelernt? Bevor wir in die Badlands flogen oder erst im Delta-Quadranten?“, flüsterte sie. Als Chakotay achselzuckend seufzte, fügte sie hinzu: „Aber als du im Delta-Quadranten auf mein Schiff kamst, wusste ich sofort, dass ich dir vertrauen konnte, als ob ich dich schon lange kennen würde.“ „Ich weiß, mir ging es ebenso.“

„Was wir zusammen erlebt haben, könnte für mehrere Leben reichen.“ „Hmm…“

Beide schwiegen und sahen sich in die Augen.

„Weißt Du, was mich aber am meisten berührt hat?“, sagte Chakotay in die Stille hinein, „Im astrometrischen Labor, das du ja auch noch nicht kanntest, trafen wir Commander Icheb und Lieutenant Naomi Wildman, die inzwischen an Bord der Voyager dienten. Naomi erinnerte sich sogar, dass sie sich als Kind nichts mehr gewünscht hat, als Assistentin des Captains zu sein.“ „Wirklich?“, stieß Kathryn glücklich hervor, und sie wischte sich verstohlen über ihre Augen. „Leider waren wir beide da in ihrer Zeitlinie schon siebzehn Jahre tot.“ „Was? Siebzehn Jahre… das bedeutet ja…“, stellte sie erschrocken fest. „Das hätte ich so gern erlebt!“, fügte sie bedauernd hinzu, „Naomi, Seven und Icheb sind für mich fast wie eigene Kinder.“ „Ich weiß“, entgegnete Chakotay sanft, „ich hätte es auch gern miterlebt. Näheres zu unserem Tod weiß ich aber leider nicht.“ Chakotay streichelte zärtlich ihre Wange. „Vielleicht ist unsere Zeit schneller vorbei, als wir denken.“ Janeway nickte stumm, und ein Schatten legte sich über ihr Gesicht. Sie sah auf ihre Hand, die noch auf seinem Knie lag. Dann legte sie zaghaft ihren Kopf an seine Schulter. Chakotay sah auf sie hinab und wagte nicht, sich zu bewegen. Er wollte nicht diesen unendlich kostbaren Moment zerstören. Kathryn fühlte seinen Atem auf ihrem Haar. Langsam hob sie ihre Hand und legte sie auf seine Brust. Sie spürte den schnellen Puls von Chakotays Herz unter ihren Fingern.

„Du konntest natürlich auch nicht widerstehen, mich über deine Zukunft auszufragen beziehungsweise es zu versuchen.“, unterbrach Chakotay nach einer ganzen Weile leise die Stille, um Kathryn aufzumuntern. Im selben Moment schoss ihm in den Sinn, dass er jetzt unvorsichtigerweise überaus gefährliches Terrain betreten hatte. Natürlich hatte Kathryn seine Worte nicht überhört. „So?“ „Hmmm…“ Er nickte. Sie sah zu ihm empor. Er schluckte, obwohl Mund und Hals ihm plötzlich trocken geworden waren. „Und?“ Sie bewegte sich nicht. „Du wolltest wissen… weil wir uns beide als Feinde kennen gelernt hätten… aber uns später offensichtlich so sehr gut kannten … wie… nahe… wir uns gekommen sind…“ Chakotay wagte nicht zu atmen. „Chakotay?“, murmelte sie an seiner Schulter. „Ja?“ „Was hast du mir geantwortet?“ Er sah ihr in die Augen. „Dass wir… bestimmte… Barrieren… nicht überschritten hätten…“  Janeway hielt seinen Blick fest. Ihre Augen waren so dunkelblau, so tief. Sie bildeten einen wundervollen Kontrast zu ihrem rotblonden Haar und zu der leichten Röte, die ihre Wangen jetzt überflog. Chakotay legte seinen Arm sanft um ihre Schultern, während er die andere Hand zögernd zu ihrem Gesicht empor hob. Janeway versteifte sich leicht, aber wehrte sich nicht. Er umfasste ihr Kinn und senkte seinen Kopf zu ihr herab. „Spirits, Kathryn…“, flüsterte er atemlos. Tastend streiften seine Lippen ihren Mund, und sie schlossen die Augen, als die Intensität des Gefühls sie überraschte. Chakotay spürte, wie Kathryn sich entspannte und eine heiße Welle des Verlangens sie erreichte. Sie öffnete ihre Lippen und streifte seinen Mund mit ihrer Zungenspitze. Ihre Hand streichelte über seine Brust bis zu seinem Gesicht. Er zog sie an sich, und sie küssten sich leidenschaftlich.

„Und wie ist Deine Geschichte?“ stieß Chakotay hervor, als sie sich nach Atem ringend endlich trennten. „Woher weißt Du von meinem Cider?“ „Weil ich im selben Frachtraum vor mehreren Jahren auch nach einem Versteck gesucht habe. Dabei bin ich auf den Cider gestoßen… und für den Tricorder war es eine Leichtigkeit, mir den Besitzer zu verraten.“ „Und was wolltest du dort verstecken?“

Kathryn richtete sich auf und befreite sich behutsam aus seinem Griff. Sie erhob sich langsam und trat an das Fenster. Sie rang nervös die Hände und stütze sich dann auf das Fensterbrett, wie um sie ruhig zu stellen. Lange Zeit sagte sie nichts. Chakotay sah, wie sie mit Mühe Tränen zurückdrängte. Er stand auf und trat hinter sie. Zärtlich umfasste er ihre Schultern. Er spürte, wie sie zitterte. Langsam drehte er sie zu sich herum und zog sie an sich. „Kathryn…“  „Meine Sachen von New Earth… und die Dinge, die du dort für mich gebastelt hast… den Traumfänger, das Sandbild, die Mini-Badewanne… ich konnte sie doch nicht jeden Tag ansehen! Ich konnte nicht jeden Tag von vorn anfangen, alles zu vergessen…” Schluchzend lehnte sie sich an seine Brust, und er streichelte beruhigend über ihre Haare, über ihren Rücken. „Kathryn, das wusste ich nicht… ich dachte, du hättest längst alles vergessen…“ Sie schüttelte ihren Kopf gegen seine Brust. „Nie könnte ich das vergessen…“ Wärme breitete sich in seinem Körper aus, als er sie an sich drückte. „Ich auch nicht.“, murmelte er in ihr Haar. Sie sah zu ihm empor und umfasste ihn mit den Armen. Er wischte mit seiner Hand ihre Tränen fort und küsste sie.

 

 

Kathryn schob sich sanft von ihm fort und ließ ihre Arme sinken. „Chakotay, wir können das nicht tun.“ Er sah sie bestürzt an. „Ich bin der Captain…“ „…und bist du nicht mehr der Captain, wenn… du mit… jemanden… zusammen bist?“ „Es gibt Starfleet-Regeln, wenn wir nach Hause kommen…“ „Wann kommen wir nach Hause?“ „Ich weiß es nicht.“ „Kommen wir überhaupt nach Hause oder sterben wir vorher?“ „Ich weiß es nicht… Aber die Crew? Ich verlange auch, dass sie sich an die Regeln hält…“ „Hast du im Deltaquadranten für die Crew nach gründlichem Abwägen nie Ausnahmen von den Regeln gestattet?“ „Doch.“ „Und wenn diese gründlich abgewogene Ausnahme dich betrifft, wird die Crew dem Captain nicht mehr folgen?“ „Ich weiß es nicht.“ „Hat es Unregelmäßigkeiten gegeben, seit B’Elanna mit Tom liiert ist?“ „Nein, aber das ist etwas anderes.“ „Warum sollte es bei Dir anders sein?“ „Sie sind nicht einander unterstellt. Außerdem bin ich verantwortlich für die ganze Crew. Ich muss Vorbild sein. Ich könnte nicht mehr objektiv Entscheidungen treffen, und das würde Unfrieden in der Crew stiften.“ „Inwieweit?“ „Ich hätte Angst dich mit lebensgefährlichen Missionen zu betrauen. Ich hätte Angst dich zu verlieren.“ Ihre Stimme klang sonderbar dünn. „Hattest du denn bis jetzt keine Angst davor?“ Janeway schlug die Augen nieder. „Doch.“, sagte sie leise. Chakotay ging langsam auf sie zu und berührte ihre Schultern. „Behandelst du mich deshalb bevorzugt vor anderen Crewmitgliedern?“ Sie schüttelte vehement den Kopf. „Und was wäre dann anders als bisher?“ „Nichts.“, flüsterte sie kaum hörbar.

„Kathryn, du kannst doch nicht für ein Phantom dein ganzes Leben opfern! Du musst auch an dich selbst denken!“ Chakotay redete eindringlich auf sie ein, packte ihre Schultern fester, als wollte er sie wachrütteln. „Niemand in der Crew erwartet, dass du auf ein glückliches Privatleben verzichtest! …und ich höre ihre Gespräche oft genug nebenbei in der Messe. Du weißt, sie nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie sich unbeachtet fühlen. Niemand…“ „Geh bitte, Chakotay.“, unterbrach ihn Janeway müde. „Kathryn…“ „Bitte geh… Lass mich allein.“ Chakotay ließ langsam seine Arme sinken und wandte sich leise zum Gehen.

 

Als Chakotay gegangen war, brach Kathryn verzweifelt in Tränen aus. Sie ließ sich auf das Sofa sinken und zog eine Decke zu sich heran. Sie brauchte nicht ins Bett zu gehen, denn sie wusste schon jetzt, dass sie keinen Schlaf würde finden können. Sie legte den Kopf auf ihre Arme auf der Sofalehne und starrte auf die vorbei fliegenden Sterne. Dieser Anblick spendete ihr sonst immer Ruhe und Trost und half ihr beim Nachdenken. Sie dachte an ihren Abend mit Chakotay. An Naomi und Icheb. Janeway spürte, wie ihr Herz sich zusammenkrampfte, als sie die ihr möglicherweise nur noch verbleibende Zeit in deren Zeitlinie überschlug… Sie würde vielleicht bald sterben… War es das alles wirklich wert? Würde Chakotay vielleicht niemals von ihr erfahren, dass sie ihn liebte? Würde sie es überhaupt noch erleben, dass es Probleme gab, wenn es überhaupt welche gab, wenn sie… und er…? …und was wollte er ihr über die Crew sagen?

Sie fühlte noch seinen Kuss auf ihren Lippen und berührte sie unbewusst mit den Fingerspitzen. „Chakotay…“

Schluchzer schüttelten ihren zierlichen Körper.

 

Chakotay hatte mit einem Gefühl von Beinen aus Blei ihr Quartier verlassen. Ihm wurde bewusst, er war zu weit gegangen. Er wollte sie nicht drängen. Was war nur mit ihm los? Er hatte sich sonst immer zurückhalten können. Von der Zeit auf New Earth ganz zu schweigen… Aber Kathryns starrsinniges Festhalten an den Starfleetregeln… Er lehnte sich verzweifelt gegen die Wand neben ihrer Tür, schloss die Augen und atmete tief durch. Auf dem Deck war Totenstille. Typisch für die Zeit der Gamma-Schicht. Die Mehrzahl der Voyagerbesatzung war in ihren Quartieren oder schlief bereits.

Er hörte, wie Kathryn drinnen weinte. Er spürte einen Stich ins Herz. Chakotay hielt den Atem an und lauschte. Nach einer Weile hörte er, wie sich ihre Schritte der Tür näherten und direkt dahinter verhielten. Sein Herz begann zu rasen, als er ihre Gegenwart auf der anderen Seite der Tür regelrecht fühlen konnte. Nach einem Moment entfernten sich ihre Schritte zögernd. Dann hörte er sie leise hantieren, dann war wieder Stille, nur ihr Schluchzen war noch in Abständen zu hören. Dann nichts mehr.

Er wusste, sie würde ihm nicht öffnen. Sie ließ niemanden freiwillig ihre Tränen sehen.

Aber konnte er sie so allein lassen? Was tat sie gerade? Er würde ebenso keine Ruhe finden…

Leise nannte er den Überbrückungscode und die Tür zu ihrem Quartier öffnete sich leise zischend.

Zaghaft trat er ein. Dunkelheit umfing ihn. Seine Augen hatten Mühe, sich an das nur schwache Licht der Sterne zu gewöhnen. Er verriegelte die Tür mit seinem persönlichen Code. Kathryn war nicht zu sehen. Der Tisch, wo sie gesessen hatten, war aufgeräumt. Nichts erinnerte mehr an ihren gemeinsamen Abend. Doch, ihre beiden halbvollen Gläser und die Flasche mit dem restlichen Cider hatte sie auf das niedrige Sideboard neben der Tür gestellt! Dankbare Wärme durchströmte Chakotay. Sie war nicht wütend auf ihn. Sie hatte nicht alles beseitigt, was an ihn erinnerte… Sie wusste, wie viel ihm der Cider bedeutete…

 

Chakotay zögerte. Sollte er wieder gehen? Da hörte er Kathryn wieder schluchzen, aber es klang sonderbar gedämpft. War ihr etwas passiert? Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als er lautlos und schnell sich der Schlafraumtür näherte. Er war noch nie in diesem Raum gewesen. Er spähte vorsichtig um die Ecke. Nein, niemand war dort… Aber wo war Kathryn? Er konnte sie vom Bett aus stoßweise atmen hören. Schritt für Schritt trat er näher, versuchte, seinen Atem zu kontrollieren. Dann sah er, dass sie sich die Bettdecke über den Kopf gezogen hatte, die ihr Körper in Abständen erbeben ließ. Kein Wunder, dass sie ihn nicht hörte! Am Fußende sahen ihre bloßen Füße hervor… Chakotay war in Versuchung, sie zu berühren… nein, zu…. Tief holte er Luft und rang um innere Ruhe.

Chakotay hockte sich neben ihrem Bett nieder. Unendlich vorsichtig tastete er mit seiner Hand über ihren Rücken. Er spürte, wie sie unter der Decke die Luft anhielt und sich anspannte. Seine Hand streichelte immer und immer wieder ihren Rücken. Kathryn atmete unregelmäßig und flach, manchmal unterbrochen von kleinen Schluchzern unter seiner Hand. Sie wartete. Dann konnte er sich nicht zurückhalten und ließ seine Hand weiter gleiten… über ihren Rücken… ihre Hüfte… ihr Bein. Sie quittierte das wiederum mit angehaltenem Atem. Chakotay hörte seinen eigenen Puls in den Ohren rauschen. Dann strich er mit den Fingerspitzen über ihre Fußsohle. Ein Japsen nach Luft unter der Decke und im selben Moment verschwanden die Füße. Eine Mischung aus Schluchzen und Kichern erschütterte die Bettdecke.

Chakotay nahm einen Zipfel am Kopfende und zog langsam, Zentimeter für Zentimeter die Decke zurück. Zerzauste Haare kamen zum Vorschein, ihre Stirn, dann ein paar schwarze Augen, die ihn durch die Dunkelheit musterten, ihre Nase… Chakotay neigte seinen Kopf zu ihr hinunter. Nur wenige Zentimeter war er von ihrem Gesicht entfernt, als er die Decke noch ein Stückchen weiter zurück zog. Er schloss die Augen und berührte ihren Mund zärtlich mit seinen Lippen.

Unter ihrer Decke kam eine Hand hervor und umfasste schüchtern seinen Nacken. Ihre Lippen spielten miteinander, bevor sie sich mit Leidenschaft küssten und ihre Zungen sich trafen. Kathryn rollte sich auf den Rücken, rutschte ein Stück zur Seite und Chakotay setzte sich auf ihre Bettkante.

Er sah, wie sie im Dunkeln lächelte. Sie streckte den rechten Arm aus und ihre Fingerspitzen zogen sacht sein Tattoo nach und glitten über seine Wange. Er lächelte, so dass sie seine Grübchen sehen konnte. „Chakotay…“, flüsterte sie glücklich, und ihre Hand wanderte weiter hinab über seinen Hals und seinen Oberkörper. Seine Hand erfasste ihre und drückte sie gegen seine Brust. Sie fühlte, wie sein Herz schlug. „Kathryn, entschuldige… ich habe… ich wollte dich… ich wollte nur…“  er fühlte sich noch so beklommen, dass er einfach in ihr Schlafzimmer eingedrungen war. „Shhh, nicht jetzt… bitte…“ „Gut,… ich gehe dann lieber.“ Er erhob sich und legte ihre Hand sanft auf ihre Bettdecke. „Gute Nacht, Kathryn und träum etwas Schönes.“ Er seufzte, sah ihr noch einmal ins Gesicht und wandte sich dann mit hastigen Schritten zur Tür. „Chakotay?“ Ihre vibrierende Stimme ließ ihn in der Bewegung erstarren. Langsam drehte er sich in der Tür noch einmal um. „Ja?“ „Bitte… geh nicht.“ Er glaubte seinen Ohren nicht zu trauen und starrte sie fassungslos an. „Bitte…“, flüsterte sie. Sie setzte sich im Bett auf und zog die Decke an ihre Brust. „Vielleicht… da ist noch etwas von dem Cider…“, sagte sie verlegen. Sie langte nach ihrem Morgenmantel. Chakotay reichte ihn ihr herüber, hielt ihn dann aber fürsorglich auf, damit sie leicht hineinschlüpfen konnte. Sie trug ein helles, seidiges Nachthemd mit Spaghettiträgern, das ihre Figur darunter erahnen ließ. Chakotay kämpfte um Beherrschung. Er war bei ihrem Anblick wie angewurzelt stehen geblieben und als sie sich umwandte, während sie den Gürtel zuband, war sie überrascht, dass er unmittelbar vor ihr stand. Sie hob ihren Kopf und ihre Blicke trafen sich. Sie hielten den Atem an und schlossen die Augen, als ihre Lippen sich erneut trafen. Sie schlangen ihre Arme umeinander und Kathryn legte ihren Kopf an seine Brust.

„Wir müssen reden…“ brachte sie nach einer Weile mühsam hervor. Chakotay nickte, legte einen Arm um sie, und sie gingen in den Wohnbereich. Kathryn setzte sich aufs Sofa und zog ihre nackten Füße unter ihren Morgenmantel. Chakotay stellte ihre Gläser und die Flasche auf den Couchtisch und zündete die Kerze wieder an. Dann nahm er eine Decke und legte sie um Kathryn. Sie lächelte. Er lächelte zurück, so dass seine Grübchen erschienen und zog sie an seine Schulter. „Chakotay?“ „Ja?“ „Bitte lass Dich nicht wieder von mir fortschicken… Es tut mir leid… ich wollte das nicht hören von dir…ich weiß, du willst mir helfen, aber du weißt…“, sie setzte sich auf und sah ihm in die Augen. Ihre Stimme zitterte und klang plötzlich ganz fremd: heiser vor Verzweiflung und Angst. „…es ist nicht so einfach für mich. Was soll ich machen? Soll ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen? Oder am Protokoll festhalten? Was?"

 

   

 

"Du hast noch alle Zeit der Welt, darüber nachzudenken!", sagte er beruhigend und strich mit den Fingern durch ihr weiches, rotgoldenes Haar, das im Kerzenlicht schimmerte.

 

„Ich wollte dir vorhin nur erzählen, was die Crew dazu denkt, was ich dazu aus ihrem Getuschel heraus gehört habe… und … und… was sogar unsere Offiziere meinen.“ „Was? Darüber, über meine Gefühle, wird offen auf dem Schiff gesprochen?“ Kathryn sprang auf und stützte empört die Hände in die Hüften. „Das kann ich einfach nicht glauben!“ Erregt ging sie barfuß mit schnellen Schritten vor Chakotay auf und ab. „Und du redest von Privatleben!“ Nervös strähnte sie die Haare mit der Hand zurück. „Da siehst du, wie privat mein Privatleben ist! Was heute hier passiert ist, weiß morgen schon Crewman Harren in seinem Versteck auf Deck 15!“ Sie ging kopfschüttelnd ans Fenster und stützte sich in alter Gewohnheit auf die Fensterbank. „Nein, nein… du siehst, ich muss am Protokoll festhalten! Es gibt keine Alternative! Am besten wir vergessen alles, was hier vorgefallen ist und begrenzen den Schaden, solange es noch geht!“ „Kathryn, so beruhige dich doch!“ Er stand auf und ging auf sie zu, blieb aber mehrere Schritt von ihr entfernt stehen. Sie sollte nicht wieder das Gefühl haben, er wolle sie in die Enge treiben. „Kathryn, hör mir zu! Die Offiziere, die Crew… sie wissen, glauben zu wissen, was wir füreinander fühlen!“ Kathryn fuhr herum: „Sie wissen was? Was zur Hölle…“ Sie verengte die Augen. Chakotay fuhr unbeirrt fort, wohl wissend, dass er keine weitere Chance erhalten würde: „Sie sind überzeugt davon, dass wir… eine… Beziehung zueinander haben, seit Jahren, seit New Earth spätestens. Sie wundern sich, was mit uns los ist, warum wir uns voneinander fern halten oder warum wir versuchen, die Crew zu täuschen. Sie fühlen sich nicht wohl damit. Sie möchten, dass wir uns zu unserer… Beziehung… endlich bekennen.“ Kathryn nahm hektisch ihren Weg quer durch das Quartier wieder auf, fasste sich mit der Hand an die Stirn. Sie ging plötzlich zielstrebig zum Replikator: „Kaffee, schwarz!“ Dann ließ sie sich mit der Tasse kraftlos in den Sessel gegenüber von Chakotay sinken. „Tuvok?“ „Hebt dazu nur eine Augenbraue.“ Sie schloss die Augen und nippte am Kaffee. „Dann ist es sehr schlimm. Ich muss mich erschießen.“ „Kathryn?“ „Das haben bis ins 21. Jahrhundert Offiziere getan, um ihre Ehre zu retten.“ „Dann wirst du mich vorher erschießen müssen.“ Chakotay stand auf und ging langsam zu ihr hinüber und blieb neben ihrem Sessel stehen. „Dann muss ich von Bord gehen.“ „Du hast aber versprochen, uns nach Hause zu bringen…“ „Verdammt!“ Kathryn fixierte den leicht schwankenden Flüssigkeitsspiegel in der Tasse. Sie konnte nicht umhin, über Chakotays Schlagfertigkeit in sich hinein zu lächeln.

„Kathryn, deine Crew liebt dich! Sie würden alle für dich durch die Hölle gehen! Sogar Crewman Harren. Sie möchten, nein, sie erwarten von dir… dass… du deinen Gefühlen freien Lauf lässt!“ Nach einer ganzen Weile hob Kathryn den Kopf und sah zu Chakotay auf. In ihren Augen schimmerten Tränen.

„…und …was wird dann passieren?“ flüsterte sie heiser mit unsicherer Stimme.

 

 

Chakotay zog sie behutsam an den Armen empor. „Mit der Crew? Nichts. ….Und mit uns? … Nur, was du wirklich willst… zum Beispiel…“  fügte er kaum hörbar hinzu und seine Lippen berührten zärtlich ihren Mund. Sie schloss die Augen und erwiderte seinen Kuss. Ohne den Kuss zu unterbrechen, schob er sie langsam rückwärts zur Couch hinüber und drückte sie sanft darauf nieder. Seine Hände schoben den Morgenmantel von ihren Schultern und streichelten ihr Gesicht, ihren Hals, ihre bloßen Schultern. Er ließ von ihrem Mund ab und begann, ihren Hals und ihre Schultern zu küssen. Kathryn stieß leise Laute aus und zuckte zusammen, wenn er sie dabei kitzelte. Zwischendurch sah er wieder und wieder verstohlen in ihr Gesicht. Ihre Wangen waren gerötet, ihre Augen geschlossen, ihre Lippen leicht geöffnet. Sie hatte so tiefes Vertrauen in  ihn. Sie hatte keine Angst, dass er zu weit gehen würde. Er fühlte, wie ein heißer Strom der Zuneigung durch seinen ganzen Körper schoss. „Kathryn, ich liebe Dich.“, wisperte er in ihr Ohr. Er seufzte und zog sie an sich, so dass ihr Kopf an seiner Brust lag. Kathryn hörte deutlich den aufgeregten, schnellen Puls seines Herzens. Sie schmiegte sich eng an ihn. Chakotay sog tief den Duft ihrer Haare ein und legte seinen Arm um sie, nachdem er ihren Morgenmantel zurechtgezupft hatte. Er fingerte nach der Decke und zog sie wieder über Kathryn.

„Bitte erzähl mir eine Geschichte“, bat sie nach einer Weile des gemeinsamen Schweigens. „Eine alte Legende meines Volkes?“ „Nein, nicht so etwas Aufregendes…“, antwortete sie halb in den Stoff seiner Uniform hinein. Er hörte am Klang ihrer Stimme, dass sie dabei lächelte. Er überlegte einen Moment, bevor er zu Sprechen anhub: „Ich erzähle dir… die Geschichte von zwei alten Frauen, eine Legende der Athabaska - Indianer, eine Legende von Verrat und Tapferkeit. Eine Legende vom Überleben in einer feindlichen Welt…“  Chakotay erzählte von einem Nomadenstamm im hohen Norden Alaskas. Während eines bitterkalten Winters kam es zu einer Hungersnot. Wie es das Stammesgesetz vorschrieb, beschloss der Häuptling die zwei ältesten Frauen als ‚unnütze Esser’ zurück zulassen, um den Stamm zu retten. Doch die beiden alten Indianerinnen gaben nicht auf. Sie besannen sich auf ihre ureigensten Fähigkeiten, die sie längst vergessen glaubten und schlugen sich allein durch… Chakotays leise Stimme wob ein ruhig schwingendes Band, das die Phantasie in allen Farben leuchten ließ. Kathryn schloss die Augen und lauschte der Geschichte, die von seinem Herzschlag begleitet wurde.

„…und so retteten die beiden alten Frauen ihren Stamm, der sie zuvor verstoßen hatte. Ihre Sippe hatte eine Lektion erhalten und ließ nie wieder eines ihrer alten Mitglieder im Stich. Die beiden Indianerinnen wurden geliebt und umsorgt, bis sie sie als wahrhaft glückliche alte Frauen starben.“ Chakotays Stimme verebbte. Kathryn rührte sich nicht. Er lauschte. Ihr Atem ging tief und gleichmäßig. Vorsichtig neigte er den Kopf und sah in ihr Gesicht. Sie war eingeschlafen.

Chakotay tastete hinter sich und zog sich ein Polster und ein Kissen heran. Dann ließ er sich ganz behutsam tiefer gleiten, so dass er seinen Kopf darauf betten konnte und legte seine Beine auf den Sessel, der glücklicherweise nicht zu weit weg stand. Er konnte selbst kaum noch die Augen offen halten und war fast auf der Stelle eingenickt, die schlafende Kathryn in seinem Arm.

Nach einer Weile erwachte Kathryn, weil ihr Arm schmerzte und sie etwas an der Bewegung hinderte. Sie registrierte, dass sie auch nicht in ihrem Bett lag. Sie hörte Herzschlag und ihr ‚Kopfkissen’ hob und senkte sich leicht. Warmer Atem strich im selben Rhythmus über ihr Haar. In ihrem Gedächtnis setzte sich langsam das Puzzlebild der vergangenen Stunden zusammen. Seine Küsse, sein Trost, sein Streicheln… wie er um sie gerungen hatte…

Sie wunderte sich, dass sie gar kein Gefühl des Unbehagens oder der Unsicherheit beschlich. Im Gegenteil, sie fühlte sich so leicht und frei. Glücklich. Kathryn lächelte und streichelte mit ihrer freien Hand ganz vorsichtig über Chakotays Brust. Es war wirklich wahr. Er war hier. Bei ihr.

Dann fiel ihr Blick auf den Chronometer. Noch vier Stunden, bis der Weckalarm sich meldete. Es war wichtig, dass sie jeder noch etwas erholsamen Schlaf bekamen, bevor ihr Dienst begann. Sie sah aus den Augenwinkeln, wie wenig bequem Chakotay lag, um sie nicht zu stören. Vorsichtig stemmte sie sich hoch. Chakotay murmelte und wollte sie festhalten. „Shhhh… ich gehe ja nicht fort“, flüsterte sie, nahm seine Beine, schwenkte sie vom Sessel hinüber auf das Sofa, so dass er richtig liegen konnte, und deckte ihn zu. Beinahe schüchtern strich sie über sein schwarzes Haar und küsste ihn flüchtig auf die Stirn.

Er lächelte verschlafen. „Kathryn?“ „Ich gehe ins Bett, dann können wir noch 4 Stunden richtig schlafen.“ Er nickte und rückte sich auf dem Sofa zurecht, während Kathryn nach nebenan ging.

 

Als sie zum Dienst auf die Brücke kam, nahm Commander Chakotay gerade die Reports der Brückencrew entgegen. Er war ungewöhnlich gut gelaunt, obwohl er noch sehr müde aussah. Als sie aus dem Lift trat, warf  er Janeway einen längeren Blick als das sonst zwischen ihnen übliche kurze Zunicken zu. Seine Augen schienen förmlich zu glühen. Röte überflog ihr Gesicht. Tuvok, Tom Paris und Harry Kim, die ebenfalls in Erwartung des Captains in Richtung Turbolift geblickt hatten, entging der stumme Wortwechsel nicht. Tuvok hob eine Augenbraue und wandte sein ausdruckloses Gesicht Lieutenant Paris zu, der seinerseits nach einem schnellen vielsagenden Blicketausch mit Fähnrich Kim sich grinsend über seine Steuerkonsole beugte. Captain Janeway räusperte sich verlegen, bevor sie „Guten Morgen, meine Herren“ sagte. „Commander, ich bin in meinem Bereitschaftsraum. Bitte reichen Sie nachher die Berichte von B’Elanna herein.“ „Aye, Captain.“ Chakotay nahm in seinem Sessel Platz und vertiefte sich scheinbar in die PADDs, während die übrigen Offiziere unauffällig versuchten, aus seinem Gesichtsausdruck Informationen heraus zu filtern. Sie warteten, dass der Commander endlich in den Bereitschaftsraum ging.

Aber Chakotay konnte sich nicht auf die Berichte konzentrieren. Das unbeschreibliche Gefühl, sie zu küssen, ihre Haut zu spüren… immer wieder sah er Kathryn vor sich, wie sie mit geschlossenen Augen seine Zärtlichkeiten genoss. Es kribbelte in seinem Bauch, sobald er an sie dachte, und das war beinahe pausenlos.

„…mander Chakotay.“ Chakotay schreckte aus seinen Gedanken auf. „Chakotay hier. Captain?“  „Was ist mit den Berichten aus dem Maschinenraum, Commander?“ „Entschuldigung, Captain, sofort…“ Er sortierte hastig den Stapel PADDs, während Tom Paris sich feixend zu Harry Kim umschaute.

Als sich die Türen des Bereitschaftsraums hinter ihm schlossen, zischte Tom zu Harry hinüber: „Ich sage Ihnen doch, da ist endlich etwas im Gange! Da können wir wetten! Wurde ja auch Zeit! Hatten Sie nicht bemerkt, wie wichtig dem Commander gestern Abend das Dinner mit dem Captain war? Dabei waren die Reparaturen auf dem Schiff noch gar nicht abgeschlossen…“ Harry sah mit einem Seitenblick auf Tuvok warnend zu Tom, der unbeirrt fortfuhr, „…und heute Morgen… sonst ist der Captain immer überpünktlich… und haben Sie ihre Blicke gesehen? Na los, Tuvok, was meinen Sie?“ Harry verdrehte die Augen. Er sah schon den Ärger, den Tom sich mit seiner kecken Art einhandeln würde. Tuvok bedachte Tom mit einem vernichtenden Blick und wandte sich seinen Kontrollen zu.

 

Als Chakotay in den Bereitschaftsraum kam, hatte Kathryn schon zwei Tassen Kaffee repliziert. „Kaffee?“ Chakotay nickte dankbar und nahm eine Tasse in Empfang. „Mit Zucker?“ „Zwei Stückchen, bitte.“ „Oh, zwei gleich heute Morgen!?“ Sie ließ die Zuckerwürfel in seine Tasse fallen. „B’Elannas Bericht… es tut mir leid… ich war…etwas abgelenkt heute Morgen.“ „Das werden Sie in den Griff bekommen müssen, wenn Sie mit Ihrem Captain öfter einen Abend verbringen wollen“, sagte Janeway streng und wandte sich zum Fenster um. Im Spiegelbild trafen sich jedoch ihre Augen und Chakotay sah, dass sie lächelte. Er stellte seinen Kaffee ab und war mit zwei schnellen Schritten bei ihr und umfing sie von hinten mit seinen Armen und küsste ihren Nacken. Er hatte erwartet, sie würde ihn kichernd oder vielleicht auch mahnend abschütteln… Aber sie legte ihre Hände sanft auf seine, die sie umfingen, und lehnte sich gegen ihn. Im Spiegel des Fensters sah er, dass sie die Augen geschlossen hatte.

 

 

Glücksgefühl durchströmte ihn. Er drehte sie langsam zu sich herum und küsste sie zärtlich.

„Dinner heute Abend… bei mir? 20:00 Uhr?“ „Ja gern!“, antwortete sie ohne zu Zögern und folgte ihm mit den Augen, als er wieder auf die Brücke ging.

Auch Janeway konnte sich heute nur mit Mühe konzentrieren. Sie fühlte sich so beschwingt, aber ab und zu gab es ihr einen Stich ins Herz, wenn sie bedachte, ob es nicht doch ein Fehler war, ihren Gefühlen füreinander nachzugeben. Waren sie stark genug, um den Belastungen und unvermeidlichen Meinungsverschiedenheiten standzuhalten oder würde ihre wunderbare Freundschaft daran zerbrechen? Würde es Probleme mit der Crew geben? Würde die Besatzung auch Änderungen des Protokolls zu ihren Gunsten verlangen? …und vor allem, wie sollte sie es der Mannschaft sagen? Dann dachte sie wiederum an die wenige Zeit die ihnen vielleicht nur noch blieb.

Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und drehte gedankenverloren das PADD von Lieutenant Torres zwischen ihren Händen.

„Torres an Captain Janeway!“ Kathryn schreckte aus ihren Gedanken auf. Sie ärgerte sich, dass sie mit ihren Gedanken so weit weg gewesen war von ihrer Verantwortung für die 140 Crewmitglieder und ihr Schiff. Das konnte sie sich absolut nicht erlauben! So etwas kam also auch noch dazu…! Aber jetzt war keine Zeit dafür. Sie musste sich unbedingt zusammenreißen oder alles würde in einer Katastrophe enden! „Janeway hier.“

Sie hörte sich B’Elannas Anliegen an und begab sich darauf in den Maschinenraum.

Als sie den Bereitschaftsraum in Richtung Turbolift verließ, sagte sie beinahe sanft: „Commander, Sie haben die Brücke. Ich bin im Maschinenraum.“ „Aye, Captain.“ Die Brückencrew hob erstaunt die Köpfe und sah, wie sie ein hintergründiges Lächeln mit ihrem Ersten Offizier tauschte. Alle starrten ihr nach, bis sie den Turbolift betrat, um sich dann schnell wieder über die Konsolen zu beugen, bevor Chakotay ihre Neugier bemerken würde.

 

Nach Dienstschluss beschloss Kathryn, noch ein entspannendes Bad zu nehmen. Es war noch genug Zeit dafür. Das warme Wasser löste ihre verspannte Schultermuskulatur. Sie seufzte, legte den Kopf an den Wannenrand und schloss die Augen. Sie fuhr langsam und genießerisch mit ihren Händen über ihren Körper. Unter Wasser, besonders auch durch das Badeöl, fühlte sich ihre Haut noch weicher und glatter an als sonst. Sie musste unwillkürlich daran denken, wenn Chakotay… ein angenehmes Kribbeln machte sich in ihr breit und sie lächelte verträumt.

 

Sie war gerade angezogen und im Begriff ihr Quartier zu verlassen, als ihr Kommunikator zirpte. „Janeway hier.“ Sie hörte aus dem Kommunikator der Gegenseite im Hintergrund lautes Stimmengewirr und Geschrei, als Chakotays Stimme sich Bahn brach: „Chakotay hier. Captain…“ Seine Stimme wurde unterbrochen. „Chakotay?!“ Janeway wollte gerade den Computer nach dem Aufenthaltsort des Commanders fragen, als er sich zurückmeldete: „Captain, hören Sie mich?“ „Chakotay, was zur Hölle…“ „Ich bin… in der Messe…“, er keuchte kurz. „Brauchen Sie Hilfe, ich bin schon…“ „Nein, nein… wir haben alles schon unter Kontrolle. Tuvok ist auch hier. Eine ganz üble Schlägerei…“, er ging offensichtlich einen Moment beiseite, denn die Hintergrundgeräusche ebbten ab. „Kathryn, es tut mir leid… aber es wird hier noch länger dauern, bis wir alles geklärt und mit Aussprachen die Ursache ermittelt haben werden. Wir haben mehrere Verletzte hier und die eventuellen Schuldigen sind entsprechend einer Bestrafung zuzuführen… wenn wir sie haben. Bitte warte nicht auf mich… Morgen…“ „Selbstverständlich, Chakotay… Die Hauptsache ist und bleibt unser Schiff!“ „Schlaf gut, Kathryn.“, flüsterte er nur für sie hörbar. „Chakotay Ende.“

Janeway schloss die Augen und strich sich durchs Haar. Enttäuscht sah sie sich im Spiegel an. Sie wollte ihn heute mit seinem Lieblingskleid überraschen, dass sie all die Jahre seit New Earth aufbewahrt hatte. …das einzige Stück, das nicht in ihrer Kiste im Frachtraum verstaut war. Gern hätte sie sein Gesicht gesehen. Ob er sich überhaupt erinnert hätte? Kathryn lächelte. Doch, das hätte er, da war sie sich völlig sicher!

Nun bemerkte sie auch, wie müde sie eigentlich war. Schon die letzte Nacht hatte sie ja nur kurz geschlafen. Langsam zog sie sich aus und schlüpfte in ihr apricotfarbenes Nachthemd. Während sie sich ins Bett kuschelte, dachte sie daran, ihre Kiste aus dem Frachtraum morgen herauf zu beamen und alle Dinge mit Chakotay abends gemeinsam anzuschauen. Sie spürte all die Emotionen wieder in sich aufwallen, die sie zusammen mit den Kleinigkeiten in dieser Truhe versteckt hatte. Ein dicker Kloß drückte in ihrem Hals und eine Träne tropfte auf ihr Kissen. Trotzdem musste sie plötzlich befreit auflachen. Morgen…

 

Nachdem Chakotay und Tuvok den Vorfall in der Messe aufgeklärt und die Aufräumarbeiten ebenso wie die Überstellung der Unruhestifter in die Arrestzelle überwacht hatten, schaute der Commander auf seinen Chronometer. Schon 23:00 Uhr! Ob Kathryn schon schlief? Manchmal las sie ja noch bis spät in die Nacht, wenn sie nicht schlafen konnte…

„Deck 3“, befahl er dem Turbolift.

Er ging zuerst zu Kathryns Quartier. Er lauschte an ihrer Tür, aber es war still. Sollte er trotzdem hineingehen? Er zögerte, und er fühlte, wie sein Herz ihm bis zum Halse schlug, als er an Kathryn dachte, …an gestern Abend dachte.

Flüsternd nannte er seinen Überbrückungscode wie am Abend zuvor. Sollte das jetzt etwa zur Gewohnheit werden? Leise glitt die Tür auf. Im Quartier waren die Lichter gelöscht. Die vorbei ziehenden, vom Warpfeld verzerrten Sterne beleuchteten den Raum nur spärlich. Er näherte sich lautlos ihrem Schlafzimmer, wobei er befürchtete, sein pochender Herzschlag könnte ihn verraten.

In der Tür blieb er stehen. Kathryn schlief. Sie lag mit dem Gesicht zur Tür. Ihre Haare waren über das Kissen gebreitet, als ob sie im Wind wehen würden. Ihre Lippen waren leicht geöffnet und um ihre Mundwinkel spielte ein Lächeln. Er merkte, wie ihm die Knie weich wurden. Es war besser wenn er jetzt ging…

Als er seinen Blick noch einmal durch ihren Schlafraum schweifen ließ, bemerkte er eine Taschenuhr, die auf ihrem Nachttisch lag. Sie war ihm gestern gar nicht aufgefallen. Chakotay ging leise einen Schritt näher. Es war die Replik des Chronometers des legendären Captain Cray, die er ihr vor drei Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte. Es war während des Umfliegens des weitläufigen Krennim - Raumes gewesen. Sie hatte sie nie getragen. Er hatte vermutet, sie würde ihr nichts bedeuten, und sie hätte die Uhr in irgendeine Schublade gelegt. ‚Aber hier auf ihrem Nachttisch ist sie das Letzte, was sie vor dem Einschlafen ansieht und morgens das Erste, bevor sie den Tag beginnt…, dachte Chakotay glücklich.

Ein letzter Blick auf Kathryn… Morgen… Er lächelte. Morgen…

 

Chakotay wandte sich zum Gehen. Mit drei Schritten war er auf der Schwelle zum Wohnraum. Er atmete auf.

„Chakotay…“, flüsterte hinter ihm eine Stimme. Sie brauchte  weiter nichts zu sagen.

Wie im Traum ging Chakotay die wenigen Schritte zurück. Eine heiße Welle schoss durch seinen Körper. „Kathryn…?“ „Ich liebe dich.“ Er beugte sich hinab zu ihr, um sie zu küssen. „Oh, Kathryn… ich liebe dich auch…“

Sie streckte einen Arm nach ihm aus und zog ihn zu sich aufs Bett. Dann löste sie ihren Griff, tastete über seine Brust und zog Stückchen für Stückchen den Reißverschluss seines Overalls auf. Dabei hielt sie seinen Blick fest und lächelte. Als Chakotay sich von seiner Überraschung etwas erholt hatte, kickte er seine Schuhe weg und zog seinen Overall aus.

Dann streifte er mit einem Griff seinen Rolli über den Kopf und warf ihn vor das Bett. Kathryns Augen weiteten sich, als sie seinen muskulösen Körper das Sternenlicht reflektieren sah. Sie hob ihre Hand und berührte streichelnd seine warme Haut. Er schloss die Augen. Sie wagte nicht zu atmen. Chakotay stützte sich neben ihr auf und seine Hand fuhr nach ihrem Körper suchend unter ihre Decke. Sie schloss heftig einatmend die Augen und öffnete ihre Lippen, als sie seine Hand durch den dünnen, seidigen Stoff ihres Nachthemds spürte. Während er sie fordernd küsste, ließ er  seine Hand von ihrer Hüfte an aufwärts gleiten. Kathryn seufzte leise, als sein Daumen die seitliche Rundung ihrer Brust streifte. Sie ließ sich auf den Rücken sinken und fuhr mit den Fingern durch sein schwarzes Haar. Sie sahen sich in die Augen, bevor sie sich einem neuen Kuss hingaben. Seine Finger fuhren zärtlich über den glatten Stoff, der sich über ihrer Brust spannte. Er fühlte ihre aufgerichteten Brustwarzen. „Spirits, Kathryn… du machst mich verrückt…“ Chakotay zog die Bettdecke über sie beide. Seine Hand fingerte nach dem Saum des Nachthemds, glitt über ihren Slip und ihren Bauch, um ihre Brüste zu streicheln. Dabei küsste er Kathryns Gesicht, ihren Hals und die empfindliche Stelle hinter ihrem Ohr. Ihre Körper berührten sich. Sie spürte seine Erregung durch seine Shorts und strich über seinen Rücken, seine Hüfte bis zu seinem Oberschenkel. Dann schlüpften Kathryns Finger unter seinen Hosenbund.

Er richtete sich auf und streifte ihr das Nachthemd über den Kopf. Lächelnd sah er sie an, während er mit einer Fingerspitze ihre Konturen nachzeichnete, was Schauer über ihren Körper schickte. „Du bist so wunderschön…“, brachte er endlich heraus und begann ihren ganzen Körper mit Küssen zu bedecken und mit seiner Zungenspitze zu liebkosen. Kathryn lehnte seufzend den Kopf zurück und bog sich ihm entgegen.

Chakotay streifte ungeduldig seine Shorts ab, und ihre Körper schmiegten sich sehnsüchtig und mit Leidenschaft aneinander. Ihre Hände, ihre Lippen erkundeten einander zärtlich. Ihre ganze, über sechs Jahre aufgestaute Lust sich zu lieben, entlud sich. Sie öffnete ihre Schenkel und im gemeinsamen Rhythmus vereinigten sie sich zaghaft und vorsichtig. Stöhnend steigerten sie sich in ihren leidenschaftlichen Bewegungen bis zur Ekstase. Atemlos ihre Namen  hervorstoßend erreichten sie den schönsten Augenblick ihres Lebens. Nun waren sie nicht nur eins, sie fühlten auch wie ein einziges Wesen, vereint mit dem Menschen, den sie bedingungslos liebten. Diesen Moment wollte jeder von ihnen niemals vergessen.

Erschöpft und glücklich kuschelten sie sich danach aneinander, küssten und streichelten sich, bevor sie der Schlaf übermannte.

 

 

 

 

 

 

Kathryn erwachte, bevor das Wecksignal ertönte, und als sie verschlafen blinzelte, sah sie direkt in ein Paar dunkelbraune Augen nur wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt. Sie lächelte. Die Augen kamen noch näher, schlossen sich und dann fühlte sie, wie weiche Lippen zärtlich ihren Mund berührten. Eine Hand legte sich sanft um ihren Nacken und zog sie näher heran. Sie streckte ihren Arm unter der Bettdecke aus und ihre Hand berührte einen warmen festen Körper. Sie streichelte ihn und der Kuss wurde intensiver.

„Ich will dich nie wieder gehen lassen, Kathryn Janeway.“ „Chakotay… ich möchte immer bei dir sein.“ „Möchtest du… meine Frau werden?“  Kathryn nickte stumm und schmiegte sich an ihn und legte den Kopf an seine Brust. Sie spürte seine Wärme und fühlte sich beschützt und geborgen. „Ja…“, hauchte sie, als sie sich gefasst hatte. Eine Träne rollte über ihre Wange. Chakotay legte den Arm um sie und strich liebevoll über ihren Rücken.

 

 

 

 

„Wie wäre es mit einem Bad vor dem Frühstück?“, fragte er.  „Haben wir noch soviel Zeit? – Computer – Licht auf 25%!“  Kathryn tastete nach der Taschenuhr auf ihrem Nachttisch. Als sie sie emporhob, trafen sich ihre Blicke, die ohne Worte verrieten, was sie einander bedeuteten.

„Es ist erst 06:00 Uhr“, sagte Kathryn erstaunt, „wir haben noch zwei Stunden Zeit!“ Sie stand auf und ging ins Badezimmer. Chakotay blickte ihr nach. Zum ersten Mal sah er sie so – bei Licht. Er spürte, wie es in seinem Körper kribbelte.

Janeway ließ das Wasser in die Wanne ein. Er hörte sie im Bad klappern und stellte sich vor, was sie wohl gerade tat. Das Wasserrauschen hörte nach einer Weile auf. Es plätscherte und sie stöhnte genussvoll auf. Dann war es einen Moment ganz still. „Chakotay!“ Er schrak zusammen, als sie ihn rief, „da ist etwas im Wald!“ Er grinste breit. „Ich komme sofort“, und war mit wenigen Sätzen im Bad. Die Grübchen vertieften sich in seinen Wangen. Kathryn schaute mit gespielter Unschuld aus der Wanne auf, bis zum Hals unter der schaumbedeckten Wasseroberfläche. „Ich glaube, es ist gerade in der Wanne verschwunden“, fügte sie kichernd hinzu und fasste nach Chakotays Arm und zog ihn zu sich hinein.

Er griff nach dem Schwamm und begann damit, langsam und mit Hingabe Kathryn zu waschen. Sie lehnte sich an ihn und schloss ihre Augen.

Das Wasser war beinahe kalt, als er aus der Wanne stieg, sie heraushob, in einen Bademantel wickelte und zum Trocknen und Aufwärmen ins Bett trug.

 

 

 

 

Sie frühstückten in Kathryns Quartier und machten sich auf den Weg zur Brücke. Als sich die Tür des Turboliftes schloss, sah Kathryn zu Chakotay auf. Das erste Mal fuhren sie heute als Paar gemeinsam auf die Brücke. Sie strahlte ihn mit ihren unwiderstehlich blauen Augen an. Sie fühlte sich so froh, dass sie endlich ihren Gefühlen nachgegeben hatte. „Die Crew… wie...“ begann sie leise, aber Chakotay fasste zärtlich ihre Schultern und küsste sie als Antwort leidenschaftlich, seine Hände glitten über ihren Körper, der jetzt zwar in der Uniform versteckt, ihm aber so vertraut war. Seine Zärtlichkeit riss sie mit fort in eine andere Welt. Als sich in diesem Moment der Lift zur Brücke hin öffnete, blieb Harry Kim sein allmorgendliches „Captain auf der Brücke!“ bereits beim Luftholen im Halse stecken und die schon dienstbereite Alpha-Schicht starrte mit offenen Mündern auf das Paar im Turbolift, das sie überhaupt nicht zu bemerken schien.

Tuvok schloss geistesgegenwärtig mit einem Tastendruck an seiner Sicherheitskonsole die Lifttür. Dann hob er eine Augenbraue und sah herausfordernd zu Tom Paris hinüber. Um die Mundwinkel des Vulkaniers schien es tatsächlich zu zucken. Tom hob ebenfalls die Augenbrauen, holte tief Luft, tippte auf seinen Kommunikator und brach als erster die Totenstille auf der Brücke. „Paris an Neelix!“ „Neelix hier! Tom, was kann ich für Sie tun?“ „Organisieren Sie eine Party zu heute Abend und halten Sie eine Hochzeitstorte in Bereitschaft!“ „Sir?“ „Wir haben etwas zu feiern, Neelix! Paris Ende.“ Tom drehte sich zu Tuvok um: „Tuvok, Sie wissen hoffentlich, was Sie heute Abend zu tun haben - als ranghöchster Offizier nach dem Captain und dem Commander?!“ 

 

                       

 

  Ende