Disclaimer:    Star Trek und seine Charaktere gehören Paramount und Pocket Books.

Einstieg für diese Geschichte (schräg gedruckt): Zitat aus „Before Dishonor“ von P. David; Berücksichtigung von Ereignissen in  Distant Shores –Isabo’s Shirt“, „Full Circle“, „Unworthy“ (alle K. Beyer), „Mosaic“ (J. Taylor) und „The Farther Shore“ (Ch. Golden).

Idee und Story: Kathryn J (= KathrynJonVoy)

Fakes: Tachyon, Camryn, GillyH, Kathryn J.

Rating: NC17 / P18

Genre: Romanze

Beta Reading: Joywriter & Kisara – Danke Euch herzlich!

Mehr von Kathryn J (=KathrynJonVoy) incl. illustrierter Versionen: http://www.newearth-jcparadise.de

Zusammenfassung: Nach deren physischem Tod nimmt sich Lady Q Janeways Seele an und nimmt sie mit sich fort („Before Dishonor“). Ein gutes Jahr nach der Trauerfeier an dem ihr gewidmeten Denkmal und Chakotays Austritt aus der Sternenflotte („Full Circle“) nimmt die VOYAGER mit einer kleinen Flotte Kurs auf den Deltaquadranten („Full Circle“, „Unworthy“). Kurze Zeit nach Missionsbeginn erlebt die Crew mysteriöse Dinge, als der schwer verletzte Pilot eines Shuttles von der VOYAGER gerettet wird.

                            Geschrieben für die:

 

 

VAMB Janeway Lives Story Challenge 2009

 

 

 

Kathryn J.

 

When In Doubt, Look Here

 

"Meets its..." Janeway's voice trailed off. "Am I... are you saying I'm... dead?"
Lady Q made a dismissive noise. "What a nonsensical term. You and your ilk, you're so locked into words. Words are useless. It's all concepts. 'Dead' doesn't mean anything. Just like 'end' doesn't mean anything. I mentioned stars dying before. Except they collapse and form black holes. So, do they die, or do they simply become something else?"
"And...what have I become?" Janeway asked slowly. "And why have you cared all this time?"
"I haven't," sighed Lady Q. "But Q has. And had. And did. And does. Which has, and had, and does, made, make, and make you of interest."
"To whom?"
"To me.
To him. To... others."
"
But... what if I want to go back?"
"You can't." She said it not unkindly. "The universe never goes back. It's all about moving forward, evolving, the call of destiny."
"I don't believe in destiny," Janeway said firmly.
"That's all right," said Lady Q, and she extended a hand. "Fortunately, it believes in you. Come and I'll show you."
She considered the offer. "I seem to recall that at least once the universe 'went back'. Ambassador Spock. Dead and buried. Yet, he is alive and well."
Lady Q looked annoyed. She extended her hand once again.
Janeway decided to acquiesce. As a wise Vulcan had once said,” There are always possibilities.”
"Is there coffee where we're going?" she asked.
"Bottomless cups of it."
"Thank God."
"You're welcome."

Kathryn Janeway took her hand...
...and was gone.

 

 

Captain Eden saß in ihrem Bereitschaftsraum und starrte auf die Streifen Sternenlicht, die vor dem Fenster vorbeizogen. Der Slipstreamantrieb der VOYAGER hatte längst seine Feuertaufe bestanden und das Schiff zog ruhig, begleitet von einer kleinen Flotte, dem Deltaquadranten entgegen. Unwillkürlich musste Afsarah Eden an den ersten Captain dieses Schiffes, Kathryn Janeway, denken. Wie mühevoll und unter welchen Opfern hatten sie und ihre Crew sich nach Hause gekämpft! All die von ihr studierten Logbücher kamen ihr wieder ins Gedächtnis. Wenn sie damals schon diesen Antrieb zur Verfügung gehabt hätten… Wie viele Leben hätten gerettet werden können, wie viel Leid wäre der Crew erspart geblieben! Es war ein blanker Hohn der Geschichte, dass Admiral Janeway ausgerechnet im Alphaquadranten und so kurz nach ihrer Rückkehr zur Erde, den Tod finden musste‚ …so kurz nachdem sie auch endlich persönlich ihr Glück gefunden zu haben schien’, fügte Eden gedanklich hinzu. Gern hätte sie mit dieser bemerkenswerten Frau, die schon zu Lebzeiten eine Legende war, länger zusammengearbeitet und mehr aus ihren Erfahrungen gelernt.

Nun saß sie selbst an eben diesem Schreibtisch und hoffte inständig, ihre Crew vollständig und unversehrt nach dieser Mission wieder nach Hause zu bringen. Janeway hatte bis zu ihrem Tod gegen diese Unternehmung gekämpft. Genauer gesagt, war sie bei dem Versuch, diese Mission unnötig zu machen, ums Leben gekommen.

 

 

Vor einigen Tagen war Seven of Nine als Passagier an Bord gekommen. Seit ihrem Kontakt zu den Caeliar, die im Zuge der Transformation von Borg auch ihre letzten Implantate entfernt hatten, ging es ihr mental zunehmend schlechter. Sie hoffte, der Flotte bei der Aufdeckung der Geheimnisse um die Borg und die Caeliar helfen zu können und zugleich wieder Stabilität für ihr eigenes Leben zwischen Borgvergangenheit und Menschlichkeit zu finden.

 

 

Auf dem Schiff herrschte ruhige Routine, begleitet vom ständigen Summen des Antriebs. Die wissenschaftlichen Stationen werteten neu gewonnene Daten aus, die Techniker warteten die Systeme und bereiteten die Shuttles auf künftige Außenmissionen vor. Der DELTAFLYER war das Herzstück der Shuttleflotte, ausgerüstet mit Slipstreamantrieb, einer ablativen Hüllenpanzerung und speziell für das kleine Schiff entwickelten Transphasentorpedos für spezielle Einsätze.

 

 

Chakotay streckte sich seufzend im Sessel seines Gästequartiers an Bord der VOYAGER aus. Er hatte ein Jahr nach Kathryns Tod seinen Dienst als Captain der Sternenflotte quittiert und hatte Seven die Reise zur VOYAGER und ihre Teilnahme an dieser Mission dank seiner Beziehungen ermöglicht. Für ihn war es ein Teil, der wichtigste Teil, von Janeways Vermächtnis, sich um Seven zu kümmern.

Während Seven hier an Bord sichtlich auflebte und sich meist in der ihr vertrauten Astrometrie aufhielt, lebte Chakotay weitgehend zurückgezogen in seinem Quartier. Er wusste, seine Anwesenheit könnte zu Spannungen auf dem Schiff führen, hatte doch ein Teil der Crew bereits unter ihm gedient. Er war dankbar, dass Seven hier ihre Chance bekam und wollte Captain Eden keine unnötigen Schwierigkeiten bereiten.

Auch auf ihn übte das Schiff eine wohltuende Wirkung aus. Nur hier fühlte er sich wirklich zu Hause. Hier fühlte er sich Kathryns Geist nahe, er konnte sie beinahe spüren. Es war, als würde sich gleich wie selbstverständlich die Tür öffnen und Kathryn im Eingang stehen… oder es würde gleich sein Kommunikator zirpen, und sie würde ihn ihren Bereitschaftsraum beordern… und sein Herz würde wie immer dann seinen Takt beschleunigen… Nein, niemals würde er ihre gemeinsamen sieben Jahre im Deltaquadranten vergessen… Chakotay spürte, dass er sich auf der VOYAGER endlich seiner Trauer um Kathryn stellen und seinen inneren Frieden wieder finden konnte.

Er war vor allem froh, dass auch Tom an Bord war, der einer seiner engsten Vertrauten geworden war und mit dem er gern gelegentlich zusammen sein Dinner einnahm.

Chakotay hatte registriert, dass sich Harry sehr um Seven bemühte. Die beiden jungen Leute schienen sich hervorragend zu verstehen und ihre Interessen waren ähnlich gelagert, nicht zuletzt durch ihre gemeinsame Liebe zur Musik. Und Seven schien Harry auch mit anderen Augen zu sehen. Er war sehr viel souveräner und selbstsicherer geworden, seit sie zurück gekehrt waren.

 

Chakotay erhob sich und verschwand in seinem Schlafraum, aus dem er nach einigen Minuten mit einer Tasche wieder hervor kam. Er entnahm ihr sein Medizinbündel, setzte sich auf den Boden und rollte es auseinander. Nachdenklich nahm er das Akoonah in die Hände. Dann zögerte er einen Moment und legte es wieder zurück. Er zog die Tasche zu sich heran und holte noch ein ähnliches Päckchen hervor, Kathryns Medizinbündel.

Gretchen Janeway hatte es ihm aus ihrem Nachlass übergeben. Es war das Einzige, was ihm von Kathryn geblieben war und Chakotay hatte bisher nicht die Kraft aufgebracht, es zu öffnen. Langsam löste er die säuberlich gebundene Schleife. Dann legte er das Bündel vor sich zu Boden und entrollte es behutsam. Der Stein, die Feder, der bunt schimmernde Kristall… Chakotay erinnerte sich noch ganz genau daran, wo Kathryn alle diese Dinge gesammelt hatte.

 

Plötzlich hielt er überrascht den Atem an, als ein kleines Kästchen zum Vorschein kam, auf dessen Rand neben den Zeichen für Ewigkeit, Verpflichtung, Treue und Vereinigung zweier Seelen das Symbol für Liebe eingraviert war. Kathryn hatte es also geändert…von Hoffnung zu Liebe… auf der Bonding Box. Zärtlich strich er über die Gravur und er fühlte, wie ihm das Atmen schwer wurde, als er sich an Proxima erinnerte…und an Venedig. Irgendwo außerhalb seines Bewusstseins hörte er Marks vor Schmerz heisere Stimme und das Splittern von Glas.

 

Er hob die kleine Schachtel an seine Lippen und schloss die Augen, als er an Kathryn dachte.

Er hatte immer gehofft, dass er mit Hilfe seines geistigen Führers noch einmal mit ihr sprechen könnte, aber so oft er es auch versuchte, ihre Seele trat nicht mit ihm in Verbindung. Vielleicht hatte er hier an Bord mehr Glück.

 

 

Die Frau schlug mit ihrem Bat’leth um sich und kämpfte sich von der Drohne frei, die sie noch umklammert hielt und gerade ihre Assimilationsröhrchen aus ihrem Hals gezogen hatte.

 

 

Taumelnd stürzte sie durch mehrere Gänge des Kubus. Es fiel ihr immer schwerer, das Gleichgewicht zu halten und klar zu sehen. Sie spürte, wie Implantate in ihre Wangen und danach am ganzen Körper einsprossen. Sie tippte auf ihren Kommunikator, dann verschwand sie in einem blau schimmernden Strahl.

 

Kurze Zeit darauf materialisierte sie in einem kleinen Schiff. Sie klammerte sich an die Steuerkonsole, reckte sich stöhnend empor, betätigte einige Schaltflächen und hieb mit letzter Kraft auf den Startknopf des Autopiloten.

 

 

Sie spürte den Ruck, der das Schiff durchzuckte, als es beschleunigte,  bevor die Trägheitsdämpfer griffen. Mehrere Phaserstrahlen erschütterten es noch, solange es innerhalb der Waffenreichweite der Borg war. Dann brach sie erschöpft auf dem Boden zusammen. Ihre von dem Armaturenbrett abrutschende Hand hinterließ eine blutige Spur. Ihr Gesicht war bis zur Unkenntlichkeit von einsprießenden Borgimplantaten und angetrocknetem Blut entstellt. Sie verlor ihre Haare büschelweise. Sie klebten an ihrer verschmutzten Kleidung und der Inneneinrichtung des kleinen Schiffes.

Aber sie hatte ihre Mission erfüllt. Sie atmete erleichtert durch und ihr linker Mundwinkel deutete ein Lächeln an, bevor ihr eine Welle des Schmerzes erneut fast das Bewusstsein nahm. Sie schaffte es nicht bis zum Medkit, das an der gegenüberliegenden Wand hing. Stattdessen zog sie ein kleines Bündel heran und drückte es an sich. ‚When in doubt, look here.’ Sie presste ihre Lippen aufeinander und zwei helle Spuren bildeten sich auf ihren Wangen, als ihr Körper leicht erzitterte.

 

Sie musste sich jetzt ganz auf das Schiff und die von ihr eingegebene Programmierung verlassen. Wenn ihr Plan aufging… wenn nicht, es wartete ohnehin niemand mehr auf sie… eine merkwürdige, aber angenehme Gleichgültigkeit und Ruhe machte sich in ihr breit. Vielleicht war es der Blutverlust oder es waren die Implantate… Ihre Gedanken begannen zu driften. Sie wehrte sich nicht.

Sie ließ ihre Seele im Wechsel zwischen Bewusstlosigkeit und Dämmerzustand dahintreiben.

 

 

„Commander, ein Schiff hält direkt auf uns zu! Es ist auf Kollisionskurs!“ Der Erste Offizier Tom Paris schreckte von seinem PADD auf, das er gerade studierte. „Roter Alarm! Schilde hoch! Waffen in Bereitschaft!“ Er berührte seinen Kommunikator: „Captain, bitte auf die Brücke!“

 

Die Türen des Bereitschaftsraumes glitten zischend auf und eine mandeläugige, dunkelhaarige Frau erschien und blieb neben dem Captainssessel stehen. „Auf den Schirm!“ Es war trotz Vergrößerung nur ein kleiner Lichtpunkt in der Ferne auszumachen. “Lieutenant Kim, Fähnrich Lasren, können Sie nähere Angaben machen?“ „Nein Captain, es ist noch zu weit entfernt. Ich justiere die Sensoren neu.“ Kim eilte zu Lasren hinüber und beugte sich kurz über die OPS. Dann ging er wieder an seine taktische Station. „Vielleicht können wir die Warpsignatur mit unserer Datenbank vergleichen und so die Herkunft des Schiffes bestimmen.“

Angespannte Minuten vergingen. Die Finger der beiden Männer flogen über die Konsolenschaltflächen. Waren es Hirogen? Vidiianer? „… Captain!“, rief Kim verblüfft aus... „Das Schiff…es hat eine Sternenflottensignatur!“

Waaas? Hier? Das ist unmöglich! Ist es vielleicht ein Schiff unserer Flotte?“ „Nein…. Moment..., Ma’am, es ist der DELTAFLYER!“ Eden sah ungläubig zum OPS-Offizier. „Computer, lokalisiere den DELTAFLYER!“ „ Der DELTAFLYER befindet sich auf der Shuttlerampe.“, antwortete eine monotone Frauenstimme. Die Brückencrew tauschte überraschte Blicke aus.

 

„Wie kann das sein? Scannen Sie nach temporalen Anomalien!“ Paris fand als erster seine Stimme wieder. „Keine, Sir!“ „Lebensformen?“  „Eine…vielleicht…und dann nur sehr schwach… Die Biowerte sind instabil, sie fluktuieren… eigenartig… ich kann nicht sagen, ob sie menschlich sind… ich kann sie nicht richtig erfassen!“

„Rufen sie den Flyer…!“, befahl Paris. „Keine Antwort, Sir“, gab Lasren zurück.

„Erfassen sie den Flyer auf mein Kommando hin mit dem Traktorstrahl. Waffen weiter in Bereitschaft. Mister Kim, stellen sie ein Sicherheitsteam vor der Shuttlerampe bereit. Ich möchte keine Überraschungen erleben!“, befahl Eden.

 

 

„Captain, der Flyer behält Kurs und Geschwindigkeit bei, wahrscheinlich fliegt er mit Autopilot!“

 

„Ausweichmanöver! Miss Gwyn, verfolgen Sie das Schiff! Mister Kim, erfassen sie es von achtern mit dem Traktorstrahl!“ „Das ist bei der Geschwindigkeit nicht möglich, Ma’am!“  

„Können sie in die Schiffssysteme eindringen?“ „Nein, Captain, die Schilde und Hüllenpanzerung sind bei 100%.“

„Zielen Sie auf den Antrieb!“ „Keine Wirkung!“

„Wir könnten die Phasenvarianz des Phaserstrahls so modulieren, dass er mit der Schildfrequenz übereinstimmt. Soweit sie nicht verändert wurde, müssten dadurch die Schildemitter überlastet werden“, schlug Kim vor. „Tun Sie es!“

 

Der DELTAFLYER wurde von einer Funkenwolke eingehüllt und ging fast augenblicklich unter Warp, gefolgt von der VOYAGER. „Gute Arbeit, Lieutenant!“, lobte Eden, und Harry Kim lächelte verlegen, aber stolz.

„Feuer auf dem Flyer!“, rief Lasren aufgeregt, ohne von seinen Displays aufzublicken, „Das Lebenszeichen, ich habe es verloren!“ „Verdammt!“ „Haben Sie die letzten Koordinaten noch?“ „ Ja, Commander.“ „Beamen Sie den Piloten direkt auf die Krankenstation!“

Fähnrich Lasren bediente hektisch die Schaltflächen der OPS. „Es funktioniert nicht!“ 

„Mister Kim, holen Sie den Flyer sofort in die Shuttlerampe!“ „Aye, Captain!“

 

Die Brückencrew hielt den Atem an. Nach wenigen Minuten meldete Kim: „Der Flyer ist an Bord!“ „Lieutenant…“ Eden nickte Harry zu, der schon auf dem Sprung war, um in den Turbolift zur Shuttlerampe zu eilen.

 

 

Chakotay schreckte aus seiner Meditation auf, als der Rote Alarm ertönte. Unwillkürlich spannte er seine Muskeln an, und es kostete ihn eine Menge Selbstbeherrschung, nicht auf die Brücke zu stürmen. ‚Aber das würde so aussehen, als traute ich Captain Eden nicht zu, Krisensituationen zu meistern’, dachte er während vor seinem Quartier die Laufschritte von Crewmitgliedern auf dem Gang verhallten und die Vibrationen des Bodens bis zu ihm zu spüren waren.

Diese passive Rolle gefiel ihm überhaupt nicht! Es war das erste Mal, dass er seinen Austritt aus der Sternenflotte bereute. Wie gern wäre er jetzt auf der Brücke!

 

Die VOYAGER ging unter Warp. ‚Vielleicht handelt es sich nur um eine Übung’, versuchte er sich zu beruhigen, denn auf einen Angriff deutete bislang nichts hin. ‚Die VOYAGER ist ja dieses Mal nicht auf sich allein gestellt’, hing er weiter seinen Gedanken nach. ‚Als wir damals die EQUINOX trafen, hofften wir auch, gemeinsam stark sein zu können…’  Er seufzte, als diese unangenehmen Erinnerungen in sein Bewusstsein drangen.

 

Chakotay trat beunruhigt ans Fenster. Er sah, wie der DELTAFLYER von einem Traktorstrahl an Bord gezogen wurde. Der Weltraum ringsum war leer und ruhig. Er zuckte die Achseln und leichter Ärger überkam ihn, dass diese offensichtliche Übung seine Seelensuche gestört hatte. Er hatte so sehr gehofft, dieses Mal endlich zu Kathryn Kontakt zu bekommen, so, wie er es auch zu seinem Vater regelmäßig hatte. Verdammt, er wollte ihr noch so viel sagen…

 

Chakotay fühlte sich plötzlich müde und abgespannt. Er rollte die Medizinbündel zusammen, die Bonding Box aber stellte er auf seinen Nachttisch neben ein abgegriffenes Foto.

Er ließ sich auf seinem Bett nieder und nahm nachdenklich das Bild zur Hand. Der Doktor hatte Kathryn und ihn beim Eröffnungstanz auf B’Elannas und Toms Hochzeitsfeier mit seiner Holokamera fotografiert. Kathryn war ein bisschen ärgerlich über den Schnappschuss gewesen, der so gar nicht ihren Captainsprinzipien entsprach – ihr Erster Offizier hielt sie ziemlich fest im Arm... und der Captain schien es zu genießen… Chakotay hatte den Doktor später heimlich um das Holobild gebeten, und Tom hatte für ihn ein Papierfoto nach Art des 20. Jahrhunderts daraus gemacht.

 

 

Der Hauch eines Lächelns huschte über Chakotays Gesicht. ‚Typisch Kathryn.’ Sie war prinzipientreu… - das Lächeln verschwand aus seinen Augen - …manchmal zu prinzipientreu… dem opferte sie sogar ihr Glück und ihr Leben. Chakotay starrte blicklos ins Leere.

 

 

‚Neunundneunzig…. Stimmt es, Daddy?’ ‚Was bist du doch für ein kluger Goldvogel. Wie hast du das fertiggebracht?’…… ‚Hallo, Kath!’ ‚Ich verabscheue Tennis…’ ‚Ich finde, es macht Spaß.’ ‚Bis dann, Hobbes…’…… ‚Meine Eltern wollen nicht, dass ich Parrises Squares spiele.’ …… ‚Ich hoffe, es wird einmal ein Kadett aus ihr. Admiral Finnegan, ich möchte Ihnen meine Tochter Kathryn Janeway vorstellen.’ ……  ‚Mehr werden Sie im kommenden Jahr nicht von Ihrer Heimat sehen, Fähnrich.’ …… ‚Aber vielleicht sollten Sie einmal in Erwägung ziehen, den Kommandobereich zu wählen.’ ‚Den… Kommandobereich?’ …… ‚Eine Stunde lang bin ich mit Justin diese Pläne hier durchgegangen, und er hat mich sehr beeindruckt. Er ist klug, vernünftig – und hart im Nehmen…Diese Eigenschaften braucht er, wenn er mit dir verheiratet ist.’ ……  ‚Was ist los, Goldvogel?’ ‚Ach Daddy, ich wollte nur, dass du stolz auf mich bist.’ ‚Die Besten der Besten sollten zu Kommando-Offizieren werden…’ …… ‚Wir nähern uns jetzt dem Tau Ceti – System, Sir.’ ‚Der Sonnenwind wird stärker, Lieutenant.’…… ‚Aber du versinkst immer tiefer in deinem Gram...von jetzt an wirst du das Leben fortsetzen.’ …… ‚Hobbes?’ ‚Kath? Bist du das? Ich fasse es nicht.’ ‚Ich bin sehr froh über unser Wiedersehen, Hobbes.’ ‚Mark. Ich heiße Mark Hobbes William Johnson…’ …… ‚An Bord Ihres Schiffes bestimmen Sie die Maßstäbe, Kathryn. Und Sie können nur dann erwarten, respektiert zu werden, wenn Sie selbst bereit sind, sich an die Regeln zu halten.’ … … ‚Commander Chakotay. Mein Name ist Captain Kathryn  Janeway.’ … … ‚Sie ist der Captain.’ … … ‚Wir müssen einige Parameter definieren… uns betreffend.’ … … ‚Ist das wirklich…eine uralte Legende?’ ‚Nein. Aber so war es leichter, es zu sagen.’ … … ‚Chakotay, ich bin hier.’ …… ‚Für zwei Leute, die als Feinde begannen, scheinen wir uns ziemlich gut kennen gelernt zu haben. Deshalb habe ich mich gefragt, wie nah wir uns stehen werden.’ ‚Sagen wir mal so: Es gibt einige Barrieren, die wir niemals überschreiten.’ … … ‚Einen Captainsposten?’ ‚Wenn du ihn nehmen willst.’ ‚Welches Schiff?’ ‚VOYAGER.’ … … ‚Ich habe dich einmal gehen lassen, Kathryn. Bitte verlange nicht von mir, es noch einmal zu tun.’ …… ‚Bin ich… Sie sagen, ich… bin  tot?’ …… ‚Aber was, wenn ich zurück möchte?’ ‘Sie können nicht zurück.’ …… ‘Gibt es dort Kaffee, wo wir hingehen werden?’  ‘Unendlich viele Tassen voll.’… …  ‚Kathy, wir brauchen deine Hilfe.’ ‚Q - Sie? Von mir?’ ‚Die Borg…sie wissen, wie sie ins Kontinuum kommen können, weil sie dich und damit dein Wissen assimiliert haben. Sie werden kommen und die Energie-Cluster des Kontinuums zerstören. Die Auswirkungen auf die Stabilität der gesamten Galaxis wären unvorhersehbar.’ …… ‚Ich könnte ihnen neue, aber falsche Informationen liefern, wenn sie mich noch einmal assimilieren würden… als Mensch. Sie müssten sie dazu vorübergehend in mein Gedächtnis einspeichern.’ …… ‚Ich möchte aber lieber Mensch sein als eine Q  werden.’…… ‚Sie haben uns schon mehrmals geholfen, Sie haben sich eine zweite Chance verdient.’ …… ‚Ich brauche ein kleines Schiff, am besten eins der Sternenflotte mit folgender Ausrüstung…’… … ‚Tante Kathy, ich habe noch etwas für dich. Ich glaube, das war für dich bestimmt. Ich habe es unter dem Tisch in Venedig entdeckt, wo Chakotay auf dich gewartet hatte. Ich möchte es dir zum Abschied geben, damit du auch einmal eine gute Erinnerung an uns hast. Viel Glück.’

 

Ihr Leben zog wie ein Mosaik an ihr vorbei. Das Gesicht Chakotays tauchte im Nebel der Erinnerungen noch einmal schemenhaft vor ihr auf. Sie bewegte kaum merklich die Lippen, bevor sie endgültig stille Schwärze umgab.

 

 

Das Sicherheitsteam beobachtete durch die Sichtfenster zum Hangar, wie der DELTAFLYER hereingezogen wurde. In demselben Moment jedoch, als er den Innenraum der Shuttlebucht erreicht hatte, leuchtete ein gleißender weißer Lichtblitz auf, der reflexartig alle Zuschauer ihre Augen mit Händen oder Armen bedecken ließ. Als sie ihre kurzzeitige Blindheit überwunden hatten, stand nur ein DELTAFLYER vor ihnen.

 

„Bericht, Mister Kim! Sind Sie okay?“, ertönte da schon Commander Paris’ Stimme über das Kommsystem. „Wir haben eine starke Energiefluktuation im Hangar registriert.“ „Sir, es ist nur noch ein Flyer da. Nach einem unglaublich hellen Lichtblitz war der zweite verschwunden! Keine Schäden oder Verletzten. Wir nähern uns jetzt dem Flyer, Commander.“, meldete Kim. „Verstanden, seien Sie vorsichtig! Paris Ende.“

 

Im Laufschritt strebte Kims Truppe dem kleinen Schiff zu, in dessen Innerem immer noch Rauch auszumachen war. Schnell hatten die Sicherheitsleute die Einstiegsluke geöffnet. Harry Kim scannte das Innere durch den Rauch hindurch, während er zwei Crewmen mit Löschgeräten heranwinkte.  Er zog sich eine Atemschutzmaske über Mund und Nase und tastete sich im Inneren des DELTAFLYERS voran, als er im Cockpit mit dem Fuß gegen etwas Weiches stieß. Er beugte sich nieder, um besser sehen zu können. Erschrocken fuhr er zurück. Im Flyer lag bäuchlings eine Drohne, blutverschmiert und in zerrissener Sternenflottenuniform. Unweit von ihr ein Bat’leth. Kims Finger eilten über die Tastatur seines Tricorders. Er tippte stirnrunzelnd auf seinen Kommunikator: „Kim an Krankenstation!“ „Sprechen Sie“, antwortete Dr. Sharak.

„Doktor, halten Sie sich für einen medizinischen Notfall bereit! Errichten Sie eventuell ein Kraftfeld um den Patienten zur Sicherheit… das heißt, ich weiß nicht, ob es in seinem Zustand noch nötig ist … Kim Ende.“ Er ließ den Borg direkt auf die Krankenstation beamen.

„Kim an Seven of Nine!“ „Seven hier.“ „Bitte gehen Sie sofort auf die Krankenstation, der Doktor kann sicher Ihre Unterstützung gebrauchen.“ „Ich bin schon unterwegs“, bestätigte Seven. Kim atmete erleichtert auf und erstattete Paris Bericht.

 

 

Seven ging zielstrebig auf das Display des Tomographen zu. Der Doktor hatte seinen Patienten zu einem Ganzkörperscan vollständig in das Gerät hineingeschoben. Das Display ließ jetzt alle Implantate hell aufleuchten, Verletzungen waren rötlich markiert.

Mit einem Blick erfasste Seven die Situation. „Doktor, Sie sollten das MHN aktivieren. Es ist von Dr. Zimmerman mit allen Erkenntnissen des ehemaligen MHNs der VOYAGER ausgestattet worden, um nicht zu sagen, es ist seine Kopie. Das hier ist keine reife Drohne. Die Implantate haben den Körper noch nicht komplett umorganisiert. Sie hat das Hive noch nicht erfahren können. Sie haben also wirklich nichts von ihr zu befürchten. Das MHN könnte Ihnen helfen, den Menschen zu retten.“

Dr. Shakar schaute Seven skeptisch an. Seven hob eine Augenbraue. „Was schauen Sie mich so an, Doktor?! Das ist ineffizient. Tun Sie lieber etwas! Ich war fast 20 Jahre Mitglied des Kollektivs. Sie können diesen Menschen nicht sterben lassen, nur weil er assimiliert wurde!“, fuhr Seven ärgerlich den Doktor an. „Das bin ich Admiral Janeway schuldig. Sie hat sich immer für mich eingesetzt“, fügte sie leise und beinahe wie zu sich selbst hinzu.“

 

Dr. Shakar schaute nachdenklich auf das tomographische Abbild seines Patienten, der überdies künstlich beatmet wurde und dessen instabile Vitalfunktionen ein Monitor aufzeichnete. „Computer, aktiviere das MHN!“

„Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls“, meldete sich das Hologramm zum Dienst.

 

 

Dr. Shakar winkte es heran und betätigte die Tastatur des Gerätes, woraufhin die Drohne mit den Füßen voran auf einer Liege aus der Röhre herausgefahren wurde.

Seven schaute neugierig zu. „Eine Frau, ein Mensch…“, murmelte sie halb zu sich selbst. Dann riss sie ihre hellblauen Augen erschrocken auf, wich einen Schritt zurück und schlug kreidebleich ihre Hand vor den Mund. „Seven?“, fragte Shakar besorgt und berührte ihren Arm, „geht es Ihnen nicht gut?“ „Das ist… das ist… nein… das kann nicht sein…“, stammelte die sonst so kühl und beherrscht auftretende ehemalige Borg und griff Halt suchend ihrerseits nach dem Doktor. Das MHN näherte sich Seven sofort mit einem Hypospray.

Kurz danach fing sie sich wieder. „Machen Sie eine Genomanalyse und vergleichen Sie sie mit der Datenbank der Föderation! Wir müssen herausfinden, ob…“

 

Seven hob ihre Hand und zögernd streckte sie sie nach der Borg aus… sie hatte es noch nie gewagt, so etwas zu tun… scheu berührte sie die Frau vorsichtig an der blutverkrusteten Schläfe, die sonst von rotblondem Haar bedeckt war. Die Nanosonden hatten es ausfallen lassen. Ein bisher nicht gekanntes Gefühl der Fürsorglichkeit und ihr eben erwachter Beschützerinstinkt trieben ihr Tränen in die Augen.

Shakar sah überrascht zu Seven auf. „Sie kennen diese Frau?“ „Das weiß ich noch nicht mit absoluter Sicherheit“, sagte Seven kaum hörbar mit schwankender Stimme.

 

In diesem Moment wandte sich das MHN mit den Ergebnissen der genetischen Analyse zu ihnen um, hinter ihm zeigte das Display das Portrait einer Frau in den Vierzigern mit aufgestecktem rötlichem Haar. „Es besteht kein Zweifel: Es ist Admiral Kathryn Janeway… beziehungsweise ein Wesen, das mit ihr genetisch völlig identisch ist.“

 

 

„Eine endgültige Bestätigung werden wir jedoch erst haben, wenn sie wieder bei Bewusstsein ist und wir ihre Erinnerungen mit unseren Computerdaten vergleichen können“, warf Shakar ein.

„Ich denke, den Computer werden Sie nicht dazu brauchen, Doktor“, meinte Seven. „Nein?“  „Captain Chakotay…er und der Admiral…“ „Sie meinen…?“ Seven senkte bestätigend den Blick. „Und da sind ja auch noch Commander Paris, Lieutenant Kim und ich…wir werden das mit Sicherheit besser herausfinden können als ein technisches Gerät, da uns gemeinsame lebendige Erinnerungen verbinden. Commander Tuvok wäre jetzt von großem Nutzen für uns, aber er ist, so viel ich weiß, mit der TITAN nach Romulus unterwegs.“

 

„Gehen Sie endlich beiseite!“, ließ sich das MHN hinter ihnen vernehmen und schob sie unsanft vom Biobett fort. „Ich muss jetzt dringend die Vitalfunktionen stabilisieren, die durch Verletzungen, Assimilation und nicht zuletzt eine schwere Rauchvergiftung in kritischem Zustand sind. Sonst brauchen Sie gar keine Gedächtnisengramme zu studieren, weil ihr Patient nämlich bis dahin tot ist! Ich bin schließlich Arzt und kein Zauberer!“

 

Als Seven die Krankenstation verließ, stieß sie beinahe mit Captain Eden, Commander Paris und Lieutenant Kim zusammen.

„Bericht, Doktor“, forderte Eden, kaum dass die Tür sich hinter ihnen zischend geschlossen hatte. Das MHN sah gereizt von der Patientin auf, an der er sich bereits zu schaffen machte und brummelte etwas Unfreundliches vor sich hin.

Als sie neben das Biobett traten, war es an Eden, Paris und Kim, die Drohne anzustarren und sprachlos erschrockene Blicke zu tauschen.

 

„Die genetischen Scans bestätigen das, was sie gerade denken“, schaltete sich Shakar ein. „Seven of Nine sagte mir, dass sie noch nicht Mitglied des Kollektivs geworden wäre und dass deshalb die Chancen sehr gut stünden. Die Implantate dürften sich auch noch nicht zu tief in die Organsysteme eingegraben haben. Ich habe das MHN aktiviert, damit es mich mit seinen Spezialkenntnissen unterstützen kann. …“

 

„Commander, ich vertraue Ihnen unseren Besucher an. Übernehmen Sie den Fall. Ich denke, Sie haben mit Admiral Janeway mehr Erfahrung als ich“, fügte sie lächelnd hinzu. „Die Flotte braucht im Moment meine volle Aufmerksamkeit.“ „Verstanden. Danke, Captain! Ich halte sie auf dem Laufenden, Ma’am. - Doktor, ich erwarte stündlich ihren Bericht, wenn es nicht zwischenzeitlich Veränderungen in ihrem Zustand gibt. Und noch etwas, Doktor“, sagte Tom Paris schon halb im Gehen, „außer uns und Ihnen weiß niemand etwas von… ihrer Patientin. Belassen Sie es bitte erstmal dabei, bis wir Gewissheit haben. Verlegen Sie sie in einen abgegrenzten Behandlungsraum.“ „Ich verstehe, Sir. Sie können sich auf mich verlassen.“

„Meinen Sie nicht, wir sollten Captain Chakotay informieren?“, gab Seven zu bedenken und trat näher. Tom kam zurück und sah sie nachdenklich an. Er musste an Chakotays innere Qualen nach Janeways Tod und an sein letztes Gespräch mit Chakotay vor ihrem Start in den Deltaquadranten denken. ‚Du hast sie geliebt?’ ‚Ja, das habe ich…’ Er schluckte hart.

„Ich weiß nicht, ob das jetzt schon klug ist, bevor wir überhaupt etwas über sie“, er deutete mit dem Kopf in Janeways Richtung, „wissen. Sollte es nur ein Klon sein… und wer weiß, mit welchem Charakter ausgestattet… ich weiß nicht, wie Chakotay einen erneuten Schicksalsschlag aufnehmen würde.“  „Ich verstehe“, antwortete Seven.

„Was ist aber, wenn es Admiral Janeway oder wer immer das ist, nicht überleben wird? Ist es richtig, es Chakotay vorzuenthalten, sie zu sehen? Was ist, wenn sie es wirklich ist?“, warf Kim ein. Tom Paris rieb sich die Stirn. „Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, was das Richtige in dieser Situation ist.“

 

Als Paris gegangen war, wandte sich Harry an Seven. Er sah ihr prüfend ins Gesicht und nahm sie sanft bei den Schultern. „Glauben Sie mir, Seven, ich fühle genauso wie Sie. Admiral Janeway war auch für mich wie eine Ersatzmutter auf unserer langen Reise. Sie wird immer etwas Besonderes sein… für uns beide.“ Seven sah, das auch Kim kämpfte, nicht von seinen Gefühlen überwältigt zu werden. „ Ja, da haben Sie recht.“ Beide sahen sich lange schweigend in die Augen.

 

 

Chakotay war es trotz seiner selbst gewählten Isolation nicht entgangen, dass die Ankunft des DELTAFLYERS, die er beobachtet hatte, für Diskussionen und Spekulationen unter der Crew sorgte. Vom Erscheinen des doppelten Flyers und vom plötzlichen Verschwinden des einen von ihnen hörte er mehrere Sicherheitsoffiziere in der Messe debattieren. Offenbar war es also doch keine Übung gewesen…

Was hatte es mit dem Flyer auf sich? Alle, die er fragte, ob Tom, Harry oder Seven, gaben ihm ausweichende Antworten, täuschten Eile oder dringende Aufgaben vor. Das spürte er, denn sonst waren sie immer sehr offen zu ihm. Irgendetwas verheimlichten sie. Chakotay beschloss, selbst einmal dem DELTAFLYER einen Besuch abzustatten.

Das Ende der Beta-Schicht kam ihm da gerade recht, denn während der Gamma-Schicht waren üblicherweise nur die Hauptstationen besetzt und der Rest der Crew war auf den Quartieren zur Nachtruhe.

 

Der Shuttlehangar lag verlassen da. Alles sah aus wie immer: In der Mitte stand der DELTAFLYER, an den Seiten die verschiedenen Shuttles.

 

 

Beim Näherkommen sah Chakotay einzelne Spuren von Phaserbeschuss an der Außenhülle. Dank der Hüllenpanzerung waren sie nicht mehr als dunkle Streifen.

Er duckte sich und schlüpfte durch die offen stehende Luke ins Schiff hinein. Das Innere strafte das friedliche äußere Erscheinungsbild Lügen. Die Steuerkonsole war mit Blut beschmiert und auch auf dem Boden waren Flecke von getrocknetem Blut und Büschel rötlichen Haares. An der Seite, wo sich der Schildgenerator befand, war offenbar während des Fluges ein Feuer ausgebrochen. Zum Glück für den Piloten, der offensichtlich am Boden gelegen hatte, war es an der gegenüberliegenden Wand von seiner Position gewesen.

Ein Bat’leth lag neben dem Pilotensitz. Es war ihm deutlich anzusehen, dass es seinem Träger nicht zur Verzierung gedient hatte. ‚Ein Klingone im DELTAFLYER?’ Chakotay schüttelte verwirrt und ungläubig den Kopf. Das ergab überhaupt keinen Sinn. …und überall diese Haare. Er nahm einige auf und zerrieb ein mit Schorf verklebtes Büschel im Licht zwischen seinen Fingern. Es versetzte ihm einen Stich in Herz, als er daran dachte, dass Kathryns Haare dieselbe Farbe gehabt hatten.

 

Ohne Eile sah Chakotay sich alle Einzelheiten genau an. Im Gegensatz zu den Crewmitgliedern hatte er unendlich viel Zeit und war froh über jede Ablenkung von seinen meistens trüben Gedanken.

‚Vielleicht sollte ich mich auch an Bord mit einer Aufgabe betrauen lassen?’, ging es ihm durch den Kopf und er dachte an Seven, die in ihrer Arbeit aufging. ‚Ich werde mit Tom sprechen, wie er die Situation einschätzt.’

 

Er ließ sich nach seinem Rundgang durch den Flyer im Copilotensessel nieder, nahm das Bat’leth vom Boden auf, drehte es in seinen Händen hin und her und hing dabei weiter seinen Gedanken nach.

Auf einmal blieb sein umherschweifender Blick an einem unscheinbaren Bündel hängen, das im Schatten des Pilotensitzes direkt neben der angetrockneten Blutlache auf dem Boden lag. Auch die Umhüllung zeigte Blutflecke. Der Pilot musste es bei sich gehabt und trotz seiner Verletzungen dicht an seinen Körper gehalten haben. Es musste etwas sehr Wertvolles für ihn sein. ‚Etwas Wertvolles… für einen Klingonen… was könnte das sein?’ Neugierig ließ sich Chakotay auf die Knie nieder und angelte das Päckchen hervor. Es war ganz leicht. Er setzte sich wieder in den Sessel und legte es in seinen Schoß.

Ein fremdartiges Material, dass weich, aber trotzdem fest war und eine Polsterung zu haben schien, umhüllte den Inhalt. Vorsichtig öffnete er das Bündel und schlug die Verpackung zurück. „Nein!“  stieß vor Schreck tonlos hervor, als sein Blick auf einen Spiegel fiel. Das Herz drohte ihm stehen zu bleiben. Seine Nackenhaare richteten sich auf und ihm wurde heiß und kalt zugleich.

Es war nicht irgendein Spiegel. Es war der Spiegel!

 

 

Das Spiegelglas war eingefasst von polierten Steinchen, die er selbst während ihrer Reise durch den Deltaquadranten gesammelt hatte und auf der Rückseite hatte er für Kathryn eingravieren lassen: When in doubt, look here.

 

 

Kathryn war sprachlos gewesen vor Rührung, als er ihr den Spiegel geschenkt hatte, wollte ihn aber nicht annehmen. Alles war ein Missverständnis gewesen… Chakotay erinnerte sich noch genau an jenen Abend auf dem Holodeck, als Tom ihm seine Venedig-Simulation  überlassen hatte.

 

Nun war sie endlich bereit gewesen… für ihn… für dieses Geschenk. Er wollte ihr den Spiegel bei ihrem Rendezvous in Venedig schenken… Weit über ein Jahr war es jetzt schon her… Er schloss seine Augen, als Tränen in ihnen aufwallten. Wieder hörte er wie aus weiter Entfernung Marks vor Schmerz heisere Stimme und das Zersplittern von Glas…

 

Der Spiegel! Chakotay riss die Augen auf. Der Spiegel war auf dem Pflaster in Venedig zersprungen! Er war ihm im Schock aus der Hand geglitten, als er von Kathryns Tod erfuhr.

Mark wollte sich bücken, aber er hatte ihn zurückgehalten. Er wollte nur fort… und allein sein… und niemandem außer Kathryn hätte er jemals diesen Spiegel schenken wollen.

Chakotay schaute in den Spiegel. Er wirklich war vollkommen unversehrt! Sogar die silberne Schleife war noch darum! Wie konnte das sein? Es konnte keine Verwechslung vorliegen, denn dieser Spiegel war einmalig. Er selbst hatte ihn repliziert und mit den Steinen beklebt.

‚Wie zur Hölle kommt der Klingone zu diesem Spiegel… und warum bei allen Geistern ist er völlig heil? Ich muss mit ihm reden!’

Die ganze Sache war wirklich mysteriös. Soviel er gehört hatte, war der Pilot jedoch in extrem schlechten Zustand und bewusstlos von Kim direkt auf die Krankenstation gebeamt worden. Sicher würde Dr. Shakar oder jemand vom medizinischen Personal rund um die Uhr den Patienten überwachen. An einen Besuch am Krankenbett war also überhaupt nicht zu denken! Damit musste er sich noch gedulden. ‚Aber sicher kann ich von Tom oder Harry etwas erfahren.’

Chakotay wickelte den Spiegel wieder ein, steckte das Bündel unter seine Jacke und verließ die Shuttlerampe. Dieser Spiegel ging niemand etwas an und er war froh, ihn vor irgendeinem Crewmitglied gefunden zu haben.

 

 

Dr. Shakar und das MHN bemühten sich unermüdlich um ihre geheimnisvolle Patientin.  Nachdem sie alle Wunden verschlossen und die Regeneration der verletzten Gewebe durch Medikamente und Bestrahlungen initiiert hatten, war das MHN die ganze Nacht hindurch damit beschäftigt gewesen, die Nanosonden im Blutkreislauf zu deaktivieren und die durch sie ausgebildeten Implantate chirurgisch zu entfernen.

Inzwischen hatte die Haut wieder eine blassrosa Farbe anstelle des grauen Hautfarbtons der Borg angenommen. Das MHN hatte gerade eine Haube über dem Kopf der Patientin installiert, die die Heilung der Kopfverletzungen und gleichzeitig das Nachwachsen der Haare unterstützen sollte.

 

 

„Doktor“, empfing ihn das Hologramm, als Shakar nach kurzer Nachtruhe zum Dienst zurückkehrte, „der Kreislauf ist stabil, Atmung und Herz funktionieren wieder bestens ohne Unterstützung. Meine biomolekularen Scans, die ich über Nacht stündlich fortgeführt habe, haben auch eine offensichtlich voranschreitende Normalisierung der Neurotransmitterdysbalance aufgezeichnet.“ Er tippte auf verschiedene Schaltflächen am Wanddisplay, um seinem menschlichen Kollegen die Daten zu demonstrieren.

„Was ist mit der merkwürdigen Signatur, die die Zellstrukturen und Biomoleküle gestern abgestrahlt haben?“, erkundigte sich Dr. Shakar. „Völlig verschwunden. Keine Spuren mehr.“ „Die DNA?“ „Nach wie vor hundertprozentig identisch mit Kathryn Janeway.“

„Was schlagen Sie jetzt vor?“ „Ich würde die Patientin noch solange im künstlichen Koma belassen, bis die Kopfverletzungen zuverlässig ausgeheilt sind. Bis dahin werden ihre Haare auch akzeptabel nachgewachsen sein, so dass sie Besuch empfangen könnte.“

„Gut. Dann werde ich jetzt den Bericht für Commander Paris erstellen.“

 

 

Commander Paris lehnte sich bequem auf Chakotays Couch zurück. Chakotay hatte ein herrliches Essen gezaubert. Kein Wunder, dass Janeway so davon geschwärmt hatte, ging es ihm durch den Sinn. Die ganze Zeit schon musste er an die Kathryn Janeway auf der Krankenstation denken, und er fühlte sich elend, dass er Chakotay gemäß seiner eigenen Entscheidung im Dunkeln darüber ließ.

 

„Tom, ich weiß nicht, wie ich das sagen soll… Ich muss… dir etwas gestehen.“

„Nun sag’s schon“, ermutigte ihn Tom freundlich.

„Ich war vorgestern Abend aus reiner Neugier im DELTAFLYER. Ich muss den Piloten sprechen, Tom. Es ist sehr wichtig.“ „Das geht im Moment leider noch nicht. Dr. Shakar hat jeglichen Besuch verboten. Danach müssen wir auch erst einmal ihre Identität feststellen und die Umstände und Gründe ihres Auftauchens klären.“ „Ihres? Soll das heißen, der Pilot ist eine Frau?“ „Äh… ja…“ „Eine Klingonin also…“ „Wie kommst du darauf?“ „Im Flyer lag ein Bat’leth.“ „Ach so, ja… ja...“

Tom atmete verstohlen erleichtert auf. Fast hätte er sich doch versprochen!

„Ich habe im Flyer etwas gefunden, was mir gehört… ich meine gehört hatte… was ich Kathryn… schenken wollte.“ Tom kniff die Augen zusammen und beugte sich vor. „Was soll denn das heißen?“  Jetzt erst bemerkte er das Päckchen, das auf dem niedrigen Couchtisch vor ihnen lag.

Chakotay griff danach und während er es langsam auswickelte, erzählte er Tom die Geschichte des Spiegels von Anfang an… beginnend bei Toms Venedig-Simulation und wie alle seine Hoffnungen im echten Venedig zerstört wurden.

 

Als er geendet hatte, blickte er regungslos vor sich zu Boden, den Spiegel in der Hand. Auch Tom schwieg lange. So offen hatte Chakotay noch nie mit ihm über sich und Kathryn gesprochen. Er legte Chakotay die Hand auf die Schulter. „Es tut mir so leid, Chakotay“, sagte er leise, aber seine Gedanken rasten...

„Ich werde dir sofort Bescheid geben, wenn du mit… äh… der Pilotin sprechen kannst.“

„Danke, Tom.“

 

‚Verdammt, jetzt wird die Sache langsam brenzlig! Ich hoffe nicht, dass er zu früh dahinter kommt, wer die Pilotin ist, bevor wir uns sicher sind. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie es wirklich ist, ist inzwischen erheblich gestiegen. Wer sonst würde diesem Spiegel eine solche Bedeutung beimessen außer ihr selbst… und Chakotay?’, dachte Tom.

 

„Aber frag mich nächstes Mal bitte vorher, und misch dich sich nicht in laufende Ermittlungen ein, Chakotay. Ich möchte wirklich nicht, dass du Ärger bekommst.“ „Du hast mein Wort.“

Tom stand auf und verabschiedete sich zum Dienst. „Vielen Dank für die Einladung!

Äh… Chakotay, wenn du magst… wenn es dich nicht zu sehr… ich meine… ich habe ja mit B’Elanna auch immer gern die Venedig-Simulation besucht. Sie und Miral fehlen mir wirklich sehr. Ich würde Venedig gern noch einmal besuchen… als Erinnerung an bessere Tage, …falls du mich vielleicht aufs Holodeck begleiten möchtest?“

 

 

Chakotay seufzte. „Danke für das Angebot, Tom. Ich weiß noch nicht… Eigentlich wollte ich nie wieder dorthin…nach Venedig. Es ist für mich alles noch so… wie gestern geschehen.“ „Verstehe“, erwiderte Tom leise. „Lass dir Zeit. Aber vielleicht hilft es dir auch, alles besser zu verarbeiten.“

 

 

Kathryn Janeway hörte wie durch Watte gedämpfte Geräusche um sich herum. Ihr Hals fühlte sich trocken an und schmerzte, wenn sie zu schlucken versuchte. Allmählich wurden die Geräusche in ihrer Umgebung klarer und unterscheidbar. Es waren die vertrauten Geräusche eines Sternenflottenschiffs, genauer gesagt, eines ganz bestimmten Sternenflottenschiffs.

‚Ich bin wieder hier! Dann hat also alles geklappt, wie ich es geplant habe’, stellte sie glücklich und erleichtert fest. Ihr Mund verzog sich zu einem leichten Lächeln und ihre Augenlider zuckten, als sie vergeblich versuchte, sie zu öffnen. Sie waren schwer wie Blei.

„Doktor! Admiral Janeway scheint aufzuwachen!“ stellte eine strenge, aber junge Frauenstimme fest. „Seven?“, flüsterte Janeway. „Ja, Admiral, ich bin hier.“ Eine warme Hand legte sich auf ihre und drückte sie sanft. „Sie sind auf der VOYAGER, auf der Krankenstation.“  „VOYAGER“, wiederholte Janeway tonlos und beinahe zärtlich, wie um einen lange vermissten Freund zu begrüßen. Sie hörte feste Schritte und fühlte das Kribbeln einer Hyposprayapplikation an ihrem Hals.

 

Nach wenigen Sekunden spürte sie, wie die bleierne Schwere aus ihren Lidern wich. Sie öffnete die Augen. Neben ihrem Bett standen tatsächlich Seven und ein Mann. „Ich bin das Medizinisch-Holografische Notfallprogramm der VOYAGER“, stellte er sich vor. „Der Schiffsarzt Dr. Shakar hat mich Ihnen zur Rund-um-die-Uhr-Betreuung zugeteilt. Ich habe alle Fähigkeiten und Erfahrungen Ihres ehemaligen MHN in meiner Datenbank und war deshalb am besten geeignet, um Sie zu behandeln“, fügte er nicht ohne Stolz hinzu. „Danke, Doktor“, sagte Janeway mit rauer Stimme.

 

Seven kam mit einer Tasse von einem benachbarten Tisch herüber.

„Sie sollten erst einmal etwas trinken.“ Damit half sie der Patientin im Bett auf, so dass sie die Tasse selbst nehmen konnte.

 

 

„Kaffee?“, fragte Kathryn hoffnungsvoll. „Tut mir leid, Admiral, aber der Doktor hat Tee verordnet…“  Janeway verzog das Gesicht zu einer Grimasse, atmete dann aber mit genussvoll geschlossenen Augen tief das Kräuteraroma ein. „Wissen Sie, wie lange ich mich danach gesehnt habe? Nach Essen und Trinken?“ Seven hob fragend eine Augenbraue. „Seit ich Sie das letzte Mal gehört habe… Seven… als ich auf diesem verdammten Kubus war. Es war eine Falle. Ich habe Sie gehört, aber es war zu spät. Ich konnte nichts mehr tun…“ Tränen wallten auf. Blinzelnd hielt sie sie zurück. „Es war schrecklich… alles… die Borg… die Q… die meisten Q jedenfalls… ich hatte fast die Hoffnung aufgegeben… Ich wollte Ihnen so sehr irgendeine Nachricht zukommen lassen…“

Sie atmete mehrmals heftig durch, dann sah sie Seven wieder in die Augen und lächelte. „Gut sehen Sie aus, Seven!“ „Die Caeliar…“ Janeway hob abwehrend die Hand. „Ich weiß, ich habe alles erfahren, die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft, alles gleichzeitig und ich selbst hatte kein Zeitgefühl. Das meiste haben mir die Q aber wieder genommen, als sie mich gehen ließen. Ich kann  mich kaum an etwas erinnern. Nur das wichtigste Wissen für die Gegenwart durfte ich behalten. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir später alles über die Caeliar genau erzählen. Ich glaube, jetzt bin ich noch zu müde für eine lange Geschichte. - Captain Eden befehligt jetzt die VOYAGER, nicht wahr?“ Seven nickte. „Vom alten Offiziercorps sind noch Commander Paris und Lieutenant Kim auf der VOYAGER.“ Sie verbiss sich gerade noch rechtzeitig eine Bemerkung über eine weitere bestimmte Person an Bord.

„Ich werde jetzt Commander Paris über Ihren gesundheitlichen Fortschritt unterrichten“, sagte Seven schnell, um einer Frage aus dem Wege zu gehen, die sich bald mit Sicherheit ergeben würde, und Admiral Janeway  nicht die Wahrheit zu sagen, widerstrebte ihr. „Er ist zurzeit amtierender Captain, da Captain Eden wegen einer Flottenbesprechung mit den anderen Captains und zur Inspektion der anderen Schiffe der Flotte für mehrere Tage nicht an Bord ist. Sie ruhen sich jetzt besser etwas aus.“ Sie half Janeway, sich wieder hinzulegen und nahm ihr die leere Tasse ab. „Seven… bitte fragen Sie Tom nach…meinen Sachen, die ich dabei hatte, ein kleines Paket….“

 

 

Als Kathryn Janeway wieder erwachte, stand Tom halb mit dem Rücken zu ihrem Bett und sprach leise mit dem Doktor. ‚Commander Paris…’ Sie lächelte in sich hinein. Stolz regte sich in ihr, was aus ihrem einstigen Sorgenkind geworden war. Kathryn musste unwillkürlich auch an alle seine Holodeck-Inszenierungen denken, wie viel Spaß sie dabei hatten. Wie mag es jetzt auf der VOYAGER sein?

 

„Admiral, schön, dass Sie wieder bei uns sind! Willkommen an Bord!“ Toms herzliche Begrüßung riss sie aus ihren Gedanken. Impulsiv ergriff er ihre Hand, lächelte dann aber verlegen, als er es bemerkte und wollte sie rasch fortziehen. Aber Janeway legte ihre Hand auf seine und hielt sie fest. „Ich freue mich auch, Tom“, entgegnete sie und in ihrer dunklen Stimme schwang Rührung mit. Janeway nickte dem Doktor zu, dass sie mit Tom allein sprechen wollte.

„Seven hat mit schon erzählt…“ „Später mehr, Tom.“ Sie senkte die Stimme, bevor sie weiter sprach: „B’Elanna und Miral geht es gut. Sie werden bald auf die VOYAGER treffen.“

„Sie… woher…wissen Sie…?“ „Ich war bei den Q, Tom“, entgegnete Kathryn, hob vielsagend eine Augenbraue und setzte ihr schiefes Grinsen dazu auf. Tom wurde bei ihrer Miene ganz warm ums Herz… ‚Kein Zweifel, sie ist es wirklich!’ Vor Freude und Erleichterung musste er plötzlich lauthals auflachen.

„Tom, ich möchte möglichst bald meine Mutter und meine Schwester und natürlich das Hauptquartier und…“, sie errötete leicht, „Chakotay verständigen.“

„Captain Eden hat das Sternenflottenkommando schon informiert, Ma’am, nachdem Dr. Shakar die ersten Scans von Ihnen gemacht hatte und Sie genetisch gesehen eindeutig identifiziert hatte. Nun, seit Sie ansprechbar sind, haben wir uns persönlich hinreichend überzeugen können, dass Sie es tatsächlich sind. - Der Doktor sagte mir eben gerade, dass er Sie heute gern auf Ihr Quartier entlassen würde. Dieses Mal braucht er Ihnen ja keine Auflagen zu erteilen, dass Sie sich schonen müssen. Sie sind unser Gast. Von Ihrem Quartier aus können Sie dann persönlich über Subraum sprechen. Ich werde einen sicheren Kanal für Sie einrichten lassen.“ Danke, Tom.“

 

„Doktor, wenn Sie erlauben, bringe ich Admiral Janeway gleich zu ihrem Quartier!“, rief Paris in Richtung der Tür. Der Arzt kam um die Ecke zu Ihnen. “Erlaubnis erteilt. Kommen Sie, falls Sie irgendwelche Probleme haben… Ansonsten würde ich Sie übermorgen noch einmal untersuchen wollen.“

Als Tom sich mit Kathryn in ihr Quartier beamen ließ, fragte sie, als sie prüfend um sich sah: „Meine Sachen… Tom, im Flyer hatte ich so ein kleines“, sie umschrieb die Größe mit Gesten, „Paket dabei. Haben Ihre Leute denn nichts gefunden? Es ist von… ganz besonderer Bedeutung für mich.“ Ängstliche Besorgnis schwang in ihrer Stimme mit. So kannte er seinen ehemaligen Captain gar nicht. „Ich kümmere mich darum, Ma’am. Sicherlich hat unser Sicherheitschef Kim alles zur Verwahrung an sich genommen“, versuchte er Janeway zu beruhigen, obwohl er es sehr wohl besser wusste, wo sich das Päckchen befand.

Gemessen an der ganz privaten Bedeutung von dessen Inhalt für sein ehemaliges Kommandoduo, fand Tom es einfach unpassend, wenn der Admiral jetzt von ihm als einem Außenstehenden die Wahrheit erfuhr.

 

 

Zwei Stunden später lag Kathryn mit geschlossenen Augen in ihrer Badewanne, bewegte sachte Arme und Beine und genoss es, das warme Wasser dabei an ihrer Haut vorbeiströmen zu lassen.

Sie dachte an ihre Gespräche mit ihrer Mutter und Phoebe sowie an die verblüfften Gesichter der  Hauptquartiersmitarbeiter. Trotzdem war sie niedergeschlagen und traurig. Das Gespräch, das ihr eigentlich am wichtigsten war, hatte sie nicht führen können. Mehrmals hatte sie versucht,

Chakotay zu erreichen. Ihre Familie wusste nur, dass er vor hatte, die Erde zu verlassen, da ihn nach Kathryns Tod nichts mehr dort hielt. Sie meinten, er wollte wohl mit Seven fortgehen, um sich um sie zu kümmern, aber Seven war ja allein hier, und auch Tom hatte Chakotay nicht erwähnt. Wo Chakotays Schwester Sekaya sich aufhielt, wusste leider auch niemand.

 

Kathryn seufzte. Wann würde sie ihn wiedersehen? Jeden Tag, jede Stunde der vergangenen zwei Jahre nach ihrer einzigen gemeinsamen Nacht hatte sie sich nach ihm gesehnt, nach seinen Küssen,

seinen zärtlichen Berührungen…

 

 

Unwillkürlich glitten ihre Hände über die vom Badeöl seidenglatte Haut ihrer Schenkel, ihres Bauches, ihrer Brust. Sie dachte an diese unvergessliche Nacht auf Proxima… an ihre gemeinsamen, über Subraum ausgetauschten Träume über ihr bevorstehendes Treffen in Venedig. Sie spürte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann und sich dann schmerzhaft zusammenkrampfte. Ob er auch noch an sie dachte? Wo war er?

Plötzlich brach sie in Tränen aus, als sich die Anspannung der letzten Tage gleichsam löste.

 

Morgen würde sie erst einmal ihren Bericht an die Sternenflotte zu schreiben beginnen.

 

 

Mit gemischten Gefühlen war Chakotay doch auf Toms Vorschlag eingegangen, seine Venedig-Simulation zu besuchen. Eigentlich tat er es nur Tom zuliebe, der, wie er wusste, ebenso wie er litt, seit er B’Elanna und Miral verloren hatte.

Vielleicht hat er ja auch recht. Irgendwann muss ich mich dem normalen Leben wieder stellen. Schlimmer kann’s nicht mehr werden.’ Tom hatte ihm als „Gegenleistung“  versprochen, dabei aufschlussreiche Neuigkeiten von der mysteriösen Flyerpilotin zu berichten, die sie herausgefunden hätten… Vielleicht könne er sie sogar mitbringen, das hätten jedoch Harry Kim und der Doktor zu entscheiden. Das klang lohnend.

 

Pünktlich um 19:00 Uhr wartete Chakotay vor Holodeck 2, das mit Commander Paris’ Sicherheitscode verschlossen war. ‚Verständlicherweise’, befand Chakotay. Er tastete noch einmal kurz nach dem Spiegel, den er in der Innentasche seiner Jacke verborgen hatte… falls er Gelegenheit hätte, diese mysteriöse Klingonin zu befragen.

 

Da kam auch schon Tom um die Ecke gehastet. „Tut mir leid, Chakotay, ich werde dich nur schon einmal hineinlassen“, sagte er, während er seinen Code eintippte und seinen Freund hinein schob. „Such uns schon einen netten Platz mit Blick zur Rialtobrücke aus und bestell uns einen trockenen Merlot! Ich bin in fünf oder zehn Minuten zurück. Du weißt doch noch: die Probleme eines Captains und Ersten Offiziers…“ Schon hatte sich das Schott zischend hinter ihm geschlossen.

Etwas verloren sah sich Chakotay um. Der Eingang zum Holodeck war der Transporterstation des Zentrums von Venedig nachempfunden. Als er aus ihr heraustrat, sah er schon in knapp hundert Metern Entfernung das kleine Café am Kanal. Das Café. Das Café, wo er Kathryn treffen wollte. ‚Warum zur Hölle nur musste Tom ausgerechnet dieses Café in seine Simulation einbauen? Oder war es schon immer darin gewesen?’  

Steif und mit hängenden Schultern ging Chakotay darauf zu. Er spürte, wie ein Kloß im Hals ihm das Atmen schwerer und schwerer machte.

Glücklicherweise kam in diesem Moment eine zierliche Italienerin herbeigeeilt, überschüttete ihn mit einem herzlich gemeinten, aber unverständlichen Wortschwall und drückte ihn auf einen Stuhl nieder. Der Tisch stand wirklich direkt am Kanalufer mit Blick zur Brücke, abgeschirmt nur durch ein paar Oleander-Kübel.

 

 

Fast mechanisch bestellte Chakotay eine Flasche trockenen Merlot und zwei Gläser. „Prego, Signore! Du…warten auf Signorina bellissima?“, schnatterte sie fröhlich gestikulierend in einem Sprach – Mischmasch, als sie merkte, dass er sie nicht verstand. Chakotay schüttelte traurig den Kopf: „Ich warte auf meinen Freund Tom.“ „Ahhh… Signore Tom… si si…“ Sie kicherte und

verschwand im Inneren des Cafés. Leise Musik und das Plätschern des Wassers füllten die Stille.

 

Nach wenigen Minuten standen der Wein und die Gläser auf dem Tisch.

‚Jetzt könnte Tom aber wirklich kommen!’ dachte Chakotay gerade, als er endlich leichte Schritte hinter sich näher kommen hörte. Er wandte seinen Blick langsam vom Treiben auf dem Kanal ab und sah Tom entgegen. Seine Begrüßung für Tom blieb ihm im Hals stecken, er fühlte, wie eine eisige Hand nach ihm griff. Wie mechanisch erhob er sich, bemerkte nicht, wie der Stuhl hinter ihm umstürzte. Es war nicht Tom. Es war…

Auch sie blieb vor Überraschung stehen, dann zuckte ihr linker Mundwinkel, als sie ihn wie versteinert stehen sah.

„Nein… Tom… das hättest du nicht tun dürfen!“, presste Chakotay von seinen Gefühlen überwältigt hervor und schlug sich die Hände vor die Augen. „Computer! Programm beenden!“

 

Augenblicklich verschwand alles, und das Hologitter wurde sichtbar.

‚Wie habe ich nur auf diese Venedig-Sache eingehen können!’ Eine Welle des Schmerzes ließ seinen Körper hemmungslos erzittern.

Plötzlich fühlte er, wie sich eine schmale Hand sanft um seinen Nacken legte. Und das war definitiv nicht Tom. Er nahm zögernd die Hände von seinem Gesicht und sah direkt in ein paar meerblaue Augen, in denen ebenso Tränen glitzerten.

„Chakotay ich bin hier…“, raunte eine warme, dunkle Stimme.

Seine Hände senkten sich vorsichtig auf ihre Schultern, als wollten sie das Wunder nicht zerstören. „Kathryn, Du bist nicht… Du bist kein… Du bist wirklich…?“

 

 

Aber sein Kopf wurde heruntergezogen und weiche Lippen ließen ihn nicht weitersprechen. Berührten seinen Mund liebevoll tastend. Ihre heiße Zungenspitze streifte seine Lippen und ihre blauen Augen schlossen sich langsam dabei. Er beantwortete ihr Spiel ebenso behutsam.

Kathryn drängte sich ihm voller Verlangen entgegen, und er umfasste sie plötzlich heftig mit einem Griff und presste sie an sich. Er spürte das vertraute, ziehende Kribbeln, das von den Knien an aufwärts zog, als er ihren Körper und ihre Wärme spürte. „Kathryn…“, stieß er atemlos hervor, bevor sich ihre Lippen und Zungen mit Leidenschaft trafen.

 

„Ich dachte, wir wollten uns in Venedig treffen“, sagte Kathryn heftig atmend, als sie ihren Kuss lösten. „Ich musste erst sehen, ob du aus Fleisch und Blut bist…“, sagte Chakotay lächelnd, umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen und küsste sie. „Und?“ „Das muss ich nachher noch genauer untersuchen, was unter dieser Oberfläche ist…“, antwortete er und grinste spitzbübisch, als er über ihr Kleid strich.

„Computer! Programm fortsetzen!“

 

Das romantische abendliche Venedig erschien wieder und Chakotay bot Kathryn einen Stuhl an. Erst jetzt nahm er sie richtig in Augenschein. Sie hatte sich in dem Jahr seit ihrem letzten Gespräch über Subraum überhaupt nicht verändert. Ihre rotblonden Haare fielen bis über ihre Schultern und schimmerten seidig im Licht der Laternen. Sie trug ein schlichtes blaues Kleid, das die Farbe ihrer Augen widerspiegelte. Sie saß da und strahlte ihn glücklich an, und er saß einfach da und konnte sich nicht an ihrem Anblick satt sehen. Beide wussten nicht, was sie sagen sollten, gefangen im Zauber des Augenblicks und in der Gewissheit alle Zeit der Welt nun vor sich zu haben.

 

Wie in Trance griff Chakotay in seine Jacke und zog langsam den Spiegel hervor. „Oh, Chakotay, ich habe ihn überall gesucht. Ich hatte solche Angst… Weißt du, Q junior hat ihn für mich gerettet und aufbewahrt!“ „Du bist mit dem DELTAFLYER gekommen?“

Plötzlich bildeten alle Puzzleteile für Chakotay ein sinnvolles Bild: Die roten Haare… warum hatte er sie nicht einfach mit dem Tricorder untersucht, als sie ihn vage an Kathryn erinnerten?! Das Bat’leth… mit dem Kathryn meisterhaft kämpfen konnte…

„Aber wie… und woher… wo warst du…“

Kathryn erhob sich, kam um den Tisch herum und setzte sich auf seinen Schoß.  Sie nahm den Spiegel sanft aus seiner Hand und sah hinein. „Chakotay. Ich liebe dich.“ Sie fuhr mit dem Finger sein Tattoo nach und küsste ihn zärtlich. „Ich liebe dich auch, Kathryn.“ Seine Finger glitten durch ihr Haar.

„Ich war nicht wirklich tot. Ich war bei den Q. Mein… körperloses Ich hat Lady Q auf Bitten von Q gerettet. Ich war die ganze Zeit bei dir und habe dich begleitet. Auch an dem Tag, als du deinen Kommunikator und die Rangabzeichen an meinem Denkmal vergraben hast… Oh, Chakotay…  Ich habe so oft versucht, zu dir zu sprechen… Zugleich war ich auch im Kontinuum und habe die VOYAGER aufbrechen sehen. Ich war einfach gleichzeitig überall…“ Ihre Stimme verebbte nachdenklich.

„Ich muss morgen meinen Bericht an die Sternenflotte beginnen, wie wäre es, wenn du mir dabei Gesellschaft leistest und ich erzähle dir dabei alles? Lass uns heute einfach nur wir  Zwei sein… Chakotay. Ich habe mich so nach dir gesehnt…“, flüsterte sie in sein Ohr. „Und ich mich nach dir“, hauchte er zurück, während seine Lippen ihre suchten.

„Wir haben immerhin insgesamt zwei Jahre nachzuholen“, murmelte sie zwischen zwei Küssen zurück. „Wir werden viel Zeit haben in unseren Flitterwochen an Bord der VOYAGER, Kathryn.“ „Flitterwochen?“ „Sowie Captain Eden wieder an Bord ist, werden wir heiraten! Du dachtest doch nicht, dass ich dich noch ein einziges Mal wieder gehen und mich vertrösten lasse!“ „Das möchte ich auch niemals mehr…“

 

 

Sie schloss ihre Augen und gab sich seufzend seinen Liebkosungen hin, als seine Lippen ihren Hals hinabtasteten. Er hob ihre zierliche Gestalt mühelos auf seine Arme, ohne seine Zärtlichkeiten zu unterbrechen und ging zur Schaltkonsole des Holodecks.

„Computer, Programm beenden und Ort zu Ort Transport für zwei Personen in mein Quartier.“

 

Noch mit Kathryn auf dem Arm rematerialisierte er in seinem Wohnbereich und trug sie behutsam in sein Schlafzimmer. Sie hatte beide Arme um seinen Nacken gelegt und schmiegte sich an ihn.

Kathryn legte eine Hand an seine Wange und drehte sein Gesicht in ihre Richtung. Ihre Finger fuhren sehnsüchtig über seine Lippen. Sie schloss die Augen und reckte ihm ihren halb geöffneten Mund entgegen. „Spirits, Kathryn…“ vermochte er nur noch zu flüstern, bevor er sie vorsichtig rücklings auf sein Bett legte und mit Leidenschaft küsste.

„Sag noch mal, dass du es wirklich bist, dass du wirklich hier bist!“

Kathryn lachte leise ihr dunkles, verführerisches Lachen. „Ich habe schon das Gefühl, dass ich wirklich hier bin…“, und sah auf seine Hand, die ihre Brust streichelte und deren Finger ihre kleine Spitze durch den weichen Stoff hindurch neckten, während ihre Hand  über seinen Arm und seine Hüfte abwärts glitt und auf der vorgewölbten Stelle seiner Hose verharrte. „…Du nicht?“, flüsterte sie. Chakotay schloss die Augen und brachte nur ein atemloses Nicken zustande. Sie zog den Reißverschluss auf und setzte ihre zärtliche Tortur fort, die ihm fast die Sinne raubte. Ihre Hand schlüpfte unter sein Shirt und fuhr verführerisch über seinen Oberkörper. „Chakotay…“ hauchte sie beinahe flehend ihn sein Ohr. Sie spürte, dass ihre Sehnsucht nach ihm wie ein Feuer in ihrem Innern brannte.

Er richtete sich auf und zog sie mit sich auf die Knie. Einander gegenüber kniend halfen sie sich gegenseitig beim Öffnen und Ausziehen ihrer Kleidung.

Ihre Lippen folgten ihren Händen, um sich gegenseitig neu zu entdecken. Sie knieten so dicht voreinander, dass ihre Brüste seinen Oberkörper manchmal berührten. Seine Finger streichelten sanft die empfindliche Haut ihrer Rundungen und seine Daumen strichen über die emporgereckten Brustwarzen. Kathryn stöhnte und legte den Kopf zurück. Überrascht atmete sie heftig ein, als sie spürte, wie sich etwas Festes, Pochendes in die warme Feuchtigkeit zwischen ihren Schenkeln schob und ihre sensibelste Stelle streifte. Chakotay bewegte langsam seine Hüften, während er Kathryn fordernd küsste. Er spürte, wie sie sich versteifte, als feiner Schweiß sie bedeckte, bevor ihr Körper von einem Feuerwerk kleiner Spasmen erschüttert wurde. „Oh, Chakotay…“ stöhnte sie, als er mit seinen Liebkosungen fortfuhr.

Er umfasste ihre Taille und legte sie behutsam nieder ohne dass ihre Körper ihre Berührung unterbrachen. Dabei öffnete sie ihre Schenkel, so dass er zwischen ihnen Platz fand. Unendlich vorsichtig und doch voller Leidenschaft vereinigten sich ihre Körper. Das war das wertvollste Geschenk, das sie einander geben konnten: ihre Liebe. Glücklich verharrten sie einen Moment bewegungslos, um den kostbaren Augenblick tief in ihren Herzen zu bewahren.

Langsam und einfühlsam fanden sie ihren gemeinsamen Rhythmus, der sich schnell bis zur Ekstase steigerte. Atemlos ihre Namen hervorstoßend ließen sie gemeinsam die Wellen des Höhepunktes  über sich hinwegbranden, bevor sie sich erschöpft auf sein Bett zurücksinken ließen.

Sie zogen nur noch die Decke über sich, bevor sie eng umschlungen einschliefen.

 

    

 

Noch im Halbschlaf streckte sich Chakotay mit Genuss, aber doch vorsichtig, um Kathryn nicht zu wecken, deren Wärme er an seinem Rücken spürte. Behutsam drehte er sich herum, blinzelte– und sah geradewegs in ein schokoladenbraunes Augenpaar. Chakotay riss die Augen auf und fuhr empor, die Bettdecke an sich ziehend. „Q! Was zur Hölle… wo ist Kathryn?!“ Q verschränkte amüsiert seine Arme hinter dem Kopf. „Wie kannst Du nur so unfreundlich Deinen besten Freund begrüßen, Chuckles!“  „Also gut, Q“, Chakotay versuchte ein gleichgültiges Gesicht aufzusetzen, aber seine Gedanken rasten und sein Herz schlug im vor Angst bis zum Hals.

„Guten Morgen! Bitte, wo ist Kathryn?“, er dehnte jedes einzelne Wort und wurde allmählich wütend über Qs offensichtliche Spielchen. „Oh!“ Q tat so, als ob er Kathryn unter dem Bett und unter der Decke suchen würde. Dann machte er ein gespielt ratloses Gesicht. „Das weiß ich auch nicht!“

Chakotay rollte die Augen und zischte zwischen zusammengepressten Zähnen hindurch: „Und was wollen Sie dann von mir, Q?“ „Dir gratulieren!“ „Wozu? Zu einer Frau, die ich vielleicht gerade ein… drittes Mal verloren habe?“

Chakotay fühlte, dass er seine Fassung nicht mehr lange würde bewahren können. Q ignorierte stoisch Chakotays Wut: „Nein. Ich gratuliere… Sie ist schwanger“, sagte Q zuckersüß.

Waaas?“, brachte Chakotay fassungslos hervor. „Wie… Sie Teufel…“ „Du bist der Teufel!“, gab Q gespielt beleidigt zurück und drehte sich weg. „Iiiich?“ Chakotays Hände zuckten. Er machte Anstalten, diesem Q den Hals umzudrehen. 

Q richtete sich auf und kam ganz dicht an Chakotay heran, so dass sich ihre Gesichter beinahe berührten.

„Ich werde es zwar nie verstehen, was Kathy an dir hat… aber du bist der … Vater….“ 

Chakotay klappte der Kiefer herunter. „Wie… das ist doch gar nicht möglich!?“ „Tut mir leid, aber unsere Körperausstattung war voll funktionsfähig...“ Q zuckte scheinheilig die Achseln.

„Aber… ich habe Kathryn doch erst gestern…“, hakte Chakotay nach.

 

 

Q runzelte die Stirn und verdrehte die Augen: „Welchen Tag haben wir heute?“

Chakotay zeigte auf die Anzeige der Sternzeit an seiner Kommunikationskonsole. Q griff sich an die Stirn. „Da bin ich doch aus Versehen zwei Wochen zu früh… ihr mit eurer linearen Zeit! Das werde ich auch nie begreifen! …egal. Sie ist schwanger. Darauf kannst du dich verlassen, Chuckles!“

Er hob seine Hände, um mit den Fingern zu schnipsen. Seine Gesichtszüge wurden plötzlich weich: „…und noch was, Chuckles… pass in Zukunft besser auf Kathy auf. Ich habe inzwischen den Eindruck gewonnen, dass du doch wohl der Vernünftigere von euch Beiden bist. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal für sie… für euch… so arrangieren kann!“

Endlich schnipste er mit den Fingern und verschwand in einem Lichtblitz. Chakotay starrte wie versteinert auf die Stelle, wo Q bis eben noch gesessen hatte.

 

Er wusste nicht, wie lange er wie betäubt dagesessen hatte, als er plötzlich ein leises Klappern und dann ein melodisches Summen im Nebenraum hörte. Er stürzte aus dem Bett und erreichte, unbekleidet wie er war, mit wenigen Schritten die Badezimmertür. Er riss sie mit einem Ruck auf. Kathryn sah ihm erschrocken entgegen. Sie stand neben der Badewanne und presste das Handtuch an ihre Brust. Chakotay fiel ein Stein vom Herzen. Erleichterung machte sich auf seinem Gesicht breit. Er atmete stöhnend aus und ließ sich gegen den Türrahmen sinken.

„Chakotay?“, fragte Kathryn und musterte ihn besorgt. „Ist alles okay?“ Sie kam zu ihm und legte ihre freie Hand auf seine Brust. Sie konnte ganz deutlich seinen schnellen Herzschlag fühlen. Als er ihr nicht antwortete, stellte sie sich auf die Zehenspitzen, und ihre Lippen berührten zärtlich seinen Mund. Das erweckte Chakotay endlich aus seiner Starre. Sein Blick kehrte von weither ins Diesseits zurück. Er schloss die Augen und erwiderte liebevoll ihren Kuss.

„Ich dachte, du wärst… wieder fort…“, brachte er gequält hervor und Tränen traten in seine Augen. „Oh, Chakotay“, Kathryn nahm sein Gesicht in beide Hände und schaute betroffen. Ihr Badetuch fiel achtlos zu Boden, „es tut mir so leid. Ich wollte dich nicht wecken…“  

Sein Blick wanderte langsam über ihren Körper. Er spürte, wie das Blut in seine Lenden schoss. Er fasste zärtlich ihre Schultern und küsste sie mit Hingabe. Seine Hände glitten liebkosend über ihre warme Haut, streichelten über ihre Brüste, ihre Hüften und ihren Po. Kathryn löste sich sanft von ihm, um ihn zurück ins Schlafzimmer zu schieben. Er lächelte verlegen, als er bemerkte, dass Kathryn ihn ebenfalls von oben bis unten ansah.

 

Ihn verführerisch ansehend ließ sich Kathryn aufs Bett niedersinken. Chakotay begann, ihre Beine von den Zehen an aufwärts mit Küssen zu bedecken. Kathryn rang um Luft und stieß leise Seufzer aus, als er das obere Ende der Innenseite ihrer Schenkel erreichte und seine Zunge einfühlsam die weiche Haut im Mittelpunkt erkundete. Ihre Hände zerzausten sein Haar und versuchten, ihn weiter hinaufzuziehen. „Bitte…“, stöhnte sie flehend und drängte sich ihm entgegen. Chakotay schob sich langsam über sie, eine Spur von Küssen über Bauch und Brüsten hinterlassend. „Du machst mich verrückt, Kathryn“, flüsterte er heftig atmend in ihre Haare, als sie ihn in sich aufnahm. Sie umfasste ihn mit den Beinen, als Sie sich gemeinsam immer leidenschaftlicher bewegten. Kathryn schrie leise auf, als ihr Innerstes aufzuglühen schien und, sie spürte, wie sich seine Wärme in ihr ausbreitete.

Nachdem sich ihr Herzschlag beruhigt hatte, rollte sich Chakotay zu Seite und zog sie fest in seinen Arm, so dass ihr Kopf an seiner Schulter lag.

 

 

Er drückte ihr einen innigen Kuss auf die Stirn. Seine Hand, die auf ihrer Schulter lag, spielte mit ihren rotblonden Strähnen.

 

Er bemerkte, wie ihre Augen etwas auf seinem Nachttisch entdeckt hatten.

„Deine Mutter hatte mir dein Medizinbündel gegeben, als…“ Er reckte den Arm zu seinem Nachttisch und angelte nach der Bonding Box. Sie folgte ihm mit den Augen und lächelte schief, beinahe melancholisch, als sie ihm das Kästchen aus der Hand nahm und die eingravierten Symbole nachdenklich mit ihrem Finger nachfuhr, bevor sie den Blick zu Chakotays dunkelbraunen Augen hob.

 „Ein Symbol fehlt eigentlich noch“, setzte Chakotay zögernd an. Er legte auch seinen anderen Arm um sie. Kathryn schaute ihn fragend an. „Das Symbol für neues Leben“, sagte er leise und studierte ihre Mimik. „Du meinst… du möchtest… wirklich?“ Ihre Augen weiteten sich, ihre Lippen zuckten.

Er beugte sich zu ihr, küsste sie und legte seine warme Hand sanft auf ihren Bauch.

„Du… bist schon schwanger“, flüsterte er und sah sie erwartungsvoll an.

„Wirklich?… Wie… woher weißt du das?“, brachte sie ungläubig hervor.

„Von Q. Er lag anstelle von dir in meinem Bett, als ich aufgewacht bin… deshalb dachte ich, du wärest wieder fort.“ Sie legte ihren Arm um ihn und schmiegte sich eng an ihn.

„Er wusste es natürlich schon, aber er war aus Versehen ein paar Tage zu früh zum Gratulieren vorbeigekommen. Sozusagen ein Verstoß gegen die Oberste Temporale Direktive“, fuhr Chakotay leise lachend fort.

„Mich hätte es auch gewundert, würden die Q sich an die Oberste Temporale Direktive halten“,

meinte Kathryn trocken, dann musste sie auch lachen.

Plötzlich wurde sie ganz ernst und sah Chakotay eindringlich in die Augen, als sie ihre Hand über seine legte, die noch immer auf ihrem Bauch ruhte und ihre Finger sich mit seinen verschränkten: „Bist du glücklich?“ „Ich bin noch nie so glücklich gewesen, Kathryn.“ Er hob seine Hand unter ihr Kinn und küsste sie leidenschaftlich.

„Möchtest Du meine Frau werden?“, fragte er, als sie endlich den Kuss unterbrachen. „Ja“, hauchte sie, bevor ihre Lippen seine erneut trafen.

 

 

„Paris an Admiral Janeway!“ „Sprechen Sie, Tom.“ „Ihr Schiff ist startbereit auf der Shuttlerampe!“ „Danke, wir sind unterwegs.“

„Es ist, als ob man sich von seiner Heimat verabschiedet, nicht wahr?“ Chakotay legte tröstend seinen Arm um seine Frau. Sie nickte und legte ihren Kopf an seine Schulter, als sie das letzte Mal ihren Blick über den Bereitschaftsraum, der nun allerdings Captain Eden gehörte, schweifen ließ.

 

 

„Ach, es war so schön, noch einmal mit der VOYAGER zu reisen und vor allem keine Verantwortung dabei zu tragen. Ich bin froh, dass wir hier endlich auch Zeit und Ruhe hatten nur für uns beide“, sagte Kathryn und gab ihm einen Kuss. „Ich glaube, jetzt bin ich wirklich bereit, zur Erde zurückzukehren. Ich fürchte nur, dass es wieder so einen anstrengenden Medienrummel wie damals nach unserer Rückkehr geben wird.“ Sie verzog ihr Gesicht.

„Kann man das denn den Leuten verdenken?“, entgegnete Chakotay. „Schließlich kommt es selbst im 24. Jahrhundert nicht jeden Tag vor, dass jemand von den Toten zurückkehrt.“

 

Chakotay strich ihr zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Und ich bin froh, dass du mir nicht wieder entkommen konntest, bevor du endlich meine Frau geworden bist!“

 

Kathryn lächelte verträumt. „ …und eine so schöne Hochzeit wie Tom sie für uns auf dem Holodeck inszeniert hat, hätten wir auch nicht auf der Erde gehabt… Auf dem Markusplatz in Venedig! …zusammen mit den meisten von unseren engsten Freunden. Die Rede von Captain Eden werde ich auch nicht vergessen… und die Gondelfahrt bei Mondschein…“

 

 

Chakotay drückte seine Frau glücklich an sich, bevor sie sich auf den Weg zum Hangar machten.

 

Auf der Shuttlerampe hatte sich die Crew der Voyager zum Abschied versammelt, als Kathryn und Chakotay zum Schiff kamen.

Es war ein hochmodernes Runabout mit Slipstreamantrieb. Es hatte vor einigen Tagen Post, Material und einige Spezialisten von Deep Space Nine zur Flotte im Deltaquadranten gebracht. Auf ihrem Heimweg nun würden es Janeway und Chakotay nach DS 9 zurückfliegen, wo es eigentlich stationiert war. Von dort aus würden sie nach einem Besuch von Chakotays Familie auf Dorvan V zur Erde zurückkehren.

Sie hatten darauf bestanden, dass ihretwegen keine Besatzung für das Runabout gestellt werden müsste. In etwa 30 Stunden würden sie im Alphaquadranten sein. Durch den neuen Antrieb war die Galaxis sehr viel kleiner geworden.

 

Commander Torres, Seven of Nine und Lieutenant Kim stiegen gerade aus dem kleinen Schiff. Sie hatten ein letztes Mal alle Systeme gecheckt. Sie schätzten nach wie vor ihre Zusammenarbeit als eingespieltes Team aus den Tagen ihrer Odyssee durch den Deltaquadranten.

Harry drückte Seven kurz und beinahe verstohlen an sich. Sie lächelte zurück und wischte sich ihre schmutzigen Finger am Catsuit ab.

 

B’Elanna steuerte sofort auf Janeway und Chakotay zu und umarmte beide herzlich. „Ich hoffe, Sie können Tom und mir vergeben, dass wir damals gezwungen waren, Sie anzulügen, als Mirals und mein Leben in Gefahr war und wir unseren Tod vortäuschen mussten.“ Alle drei hatten Mühe, ihre Tränen zurückzuhalten.

„Man kann leider nicht immer die Wahrheit sagen“, gab Kathryn Janeway mit einem Seitenblick auf ihren Mann zurück, „wenn man auf einer Undercover-Mission ist, um Leben zu retten. Ich bin froh, dass wir alle uns gesund wiedergesehen haben, B’Elanna. Passen Sie gut auf sich und Miral auf!“ „Das werde ich.“

 

„Seven, bist du dir sicher, dass du an Bord bleiben möchtest?“, wandte sich Chakotay besorgt an die ehemalige Borg. „Absolut“, antwortete sie, neigte leicht den Kopf und hob eine Augenbraue.

„Ich glaube, ich habe jetzt endlich meinen Platz gefunden. Ich werde Captain Eden bei ihren Forschungsaufgaben mit meinen Erfahrungen unterstützen. … und außerdem…“ Sie sah Harry an. „Ich freue mich so für Sie, für Sie beide, Seven!“, sagte Janeway herzlich, als sie sich von ihr und Harry verabschiedeten.

 

 

Captain Eden und Commander Paris erwarteten sie als letzte an der Einstiegsluke. „Was haben Sie nun vor, wenn Sie nach Hause kommen?“, fragte Tom. „Wir werden beide als Dozenten an der Akademie in San Francisco lehren können, das hat mir das Sternenflottenkommando zugesichert, ebenso wie Chakotays Wiederaufnahme in die Sternenflotte… und dann werde ich mich ja erst einmal um unser Kind kümmern“, fügte Janeway mit glücklichem Lächeln hinzu und legte eine Hand auf den  bereits deutlich gewölbten Bauch.

„Entschuldigen Sie, Admiral, ich habe schon einmal gefragt, wann haben Sie Termin?“, erkundigte sich Afsarah Eden. „In drei Monaten. Aber Sie brauchen sich doch nicht zu entschuldigen, ich weiß, Sie haben als Captain viel wichtigere Dinge zu bedenken“, antwortete Kathryn und legte ihr verständnisvoll eine Hand auf den Arm.

„Aber vergessen Sie bitte nicht, was Sie mir bei Ihrem Missionsstart versprochen haben“, warf Chakotay ein. „Ich werde unsere Leute sicher nach Hause bringen!“, bestätigte Eden, als sie beiden die Hand gab.

 

Tom umarmte sie herzlich, schloss die Shuttleluke und gab den Start frei.

 

Das Shuttle erhob sich über dem Hangardeck, schwenkte sachte herum und beschleunigte. Nach wenigen Sekunden leuchtete ein kleiner Punkt kurz in der Ferne auf, dann war es von den Sensoren der VOYAGER verschwunden.

 

 

„Ihre Befehle, Admiral?“ Chakotay drehte sich im Pilotensitz grinsend zu Janeway um.

„Setzen Sie einen Kurs nach Hause!“, gab sie im gleichen Tonfall zurück, streckte sich mit einer Tasse Kaffee in der Hand bequem im Copilotensessel aus und legte die Füße auf den Rand der Konsole vor ihr.

Chakotay aktivierte vor sich hin lachend den Autopiloten, dann schaute er wieder zu Kathryn hinüber: „Noch weitere Befehle, Admiral?“

Sie legte verführerisch lächelnd den Kopf zurück und schloss langsam die Augen, während sie ihn bis zuletzt aus den Augenwinkeln herausfordernd ansah. Dann raunte sie mit ihrer dunklen Stimme: „Chakotay?“ „Ja?“ „Küss mich…“, und sie fühlte, wie sich seine große warme Hand auf ihren Babybauch legte, bevor seine Lippen ihren Mund berührten.

 

 

 

Ende